Liebe Yda!
Wie es mir so damit ergangen ist...ich möchte jetzt nicht allzuviel schreiben, weil ich in der Laberkiste gelesen habe, dass 11e das Buch lesen wird - und da möcht ich jetzt nix verrraten.
Aber ich war auch total aufgewühlt - es gibt manche Bücher, die vergisst man nicht. Und dieses ist so eines davon - ich habe, wie wahrscheinlich alle anderen Leser auch, tatsächlich im Google nach diesem Paul Michel gesucht, so real war diese Geschichte.

DAS ist Erzählkunst, die unter die Haut geht.
Auch war ich total fasziniert, mit welcher Natürlichkeit und Logik diese prickelnde Erotik zwischen den beiden Männern entsteht. Das war irgendwie so unausweichbar, das musste so kommen. Und dieses Charisma des Paul Michel war durch die Zeilen spürbar, so eine Art gefährliche Sympathie.

Die Autorin führt den Leser, finde ich, irgendwie ist man als Leser ausgeliefert, man fällt von einer Emotion in die nächste und wenn man das Buch fertig hat, merkt man erst, wie man selbst dieser Illusion erlegen ist.
Ein tolles Buch - es gibt ein Buch, das an dieses Werk herankommt, obwohl es im Schreibstil völlig anders ist und nochdazu von einem bekannten Schriftsteller geschrieben wurde: "Die Tiefe" von Henning Mankell. Das ist ein Buch, das wollt ich schon weglegen, weil es anfangs eher langatmig geschrieben ist und ich die ganze Zeit das Gefühl hatte, diese Hauptperson des Buches nicht zu verstehen.
Ich dachte die ganze Zeit daran, dass das wohl so ist, wenn man als Frau ein Buch liest, das von einem Mann geschrieben wurde. Da allerdings die anderen Werke von Mankell für mich immer nachvollziehbar waren, las ich weiter, auf eine Lösung oder auf eine Brücke wartend, die mir den Zugang zur Hauptperson ermöglichen würde. Und als ich das Buch fertig hatte, war ich irgendwie schockiert. Weil es ähnlich einer Patricia Highsmith die menschlichen Abgründe aufzeigt, nur: bei Mankell gabs für mich im Gegensatz zu Highsmith zwar eine Logik seiner Handlungen, aber kein emotionelles Verständnis für den Täter.
Und dann, nach dem Ende des Buches, passierte es, dass meine Gedanken immer wieder und immer wieder um dieses Buch kreisten. Mir ist das noch nie passiert, dass ein Buch mich NACH dem Lesen solange und so intensiv beschäftigt hat. Und ich denke, er hat als Mann hier einen Mann beschrieben, wie das nur ein Mann beschreiben und nachvollziehen kann. Und genau das dürfte das Faszinierende für mich sein - da steigst Du als Leserin in eine Gedankenwelt ein, die Dir als Frau gespenstisch erscheint - weil sie so männlich ist.
Frau liest dieses Buch und schlüpft in die Emotionen und Sichtweisen eines Mannes, das rüttelt einen total durch.
Jetzt hab ich Dir wieder was schmackhaft gemacht...*kicher*
Die bewohnte Frau steht, wie ich schon schrieb, auf meiner Merkliste.....ich muss allerdings gestehen, dass ich seit einiger Zeit eher weniger lese.

Also ich bin auch eine von denen, die sagt, sie würde gerne lesen, aber sie hätte keine Zeit....

- was natürlich eine Ausrede ist.
In Wahrheit habe ich eine Leseblockade. Ich hatte ein Erlebnis, aufgrund dessen ich das Gefühl nicht mehr loskriege, intellektuell ein Nackerpatzl zu sein...und das Lesen von Büchern bei mir so ähnlich wie umsonst ist. Daran kaue ich noch, das muss ich noch lösen, das Problem. Aber das war jetzt offtopic - und ist ein Nebenschauplatz, der nicht in einen Thread gehört.
Zurück zur Germanistin:
Wenn diese Geschichte tatsächlich so stattgefunden hätte, wäre ich niemand von den Rollen gerne gewesen, weder die Germanistin, noch ihr Freund, noch Paul Michel...ich finde, das war für jeden eigentlich eine persönliche Tragödie. Aber das Interessante daran war das Zusammenspiel, mit dem man als Leser überhaupt nicht rechnet. Und mehr schreib ich jetzt nicht mehr, weil sonst verplapper ich mich und bringe 11e damit um den ganzen Genuss....
Liebe Grüße
Spirit