Hallo,
im Cyberspace-Thread habe ich vorhin geschrieben, wie mein Sohn, als er klein war einmal bei uns im Haus einen Mann auf der Treppe hat stehen sehen. Seine Beschreibung passte genau auf einen Bekannten, der kurz zuvor gestorben war. Ich möchte diese Geschichte einmal erzählen und vielleicht folgen noch weitere.
Es war 1993, ich wohnte damals mit meinem Sohn in dem Haus, das mein Mann und ich uns gekauft hatten. Es lag nach hinten raus sehr einsam, was mir nie etwas ausgemacht hatte, erst als mein Mann auszog, weil wir uns trennten. Ab da konnte ich kaum noch schlafen, weil ich Angst hatte. Jeden Abend bin ich eine Stunde lang durchs Haus getigert, um mich zu vergewissern, daß auch ja niemand sich irgendwo versteckt hat und dann lag ich noch stundenlang wach, hörte mein Herz klopfen ... und fragte mich, wie ich es schaffen sollte, zu flüchten, falls wirklich mal etwas passierte ... mein Kind unterm einen Arm, meinen Vogel unterm anderen?
Es war jedenfalls eine grausige Zeit, noch dazu häufte sich das, was ich
Effekte nenne, - Träume, die Realität wurden, Bilder im Kopf von Ereignissen, die kurz danach passierten etc. ...
In einer Nacht von Samstag auf Sonntag im November konnte ich wieder mal nicht einschlafen, als es an der Haustür klingelte. Es war 1 Uhr und ich war fast wie gelähmt vor Angst. Ich horchte, aber es klingelte kein zweites Mal. Dann hörte ich Schritte, die die Treppe vor der Haustür wieder hinuntergingen, dann auf dem Bürgersteig, klar und deutlich. Mein Schlafzimmer war im 1.Stock und ich hatte ein Rolleau, was ich zur Seite schob, um rauszusehen, zu gucken, wer da unten auf dem Bürgersteig herging, denn da war eine Laterne. Ich hörte ganz genau die Schritte, in dem Bereich des Lichtscheins, den ich gut überblicken konnte, aber denjenigen, zu dem sie gehörten, sah ich nicht. Als wäre ein Unsichtbarer da hergegangen.
Da viele merkwürdige Dinge zu der Zeit passierten, vergaß ich den Vorfall wieder. Am darauffolgenden Montag, also 1 1/2 Tage später rief meine Mutter mich an, - ich solle mich hinsetzen, sie hätte eine schlechte Nachricht für mich. Ein gemeinsamer Bekannter, Achim, der erst Anfang 30 war, war in der Nacht von Samstag auf Sonntag gestorben. (an diese Sache mit der Klingel dachte ich aber erst viel später wieder)
Er hätte ein Blutgerinnsel im Kopf gehabt.
Sofort nach dem Telefonat rief ich meine Freundin Sabine an, die Achim auch gut gekannt hatte, erzählte ihr dasselbe, wann und woran er gestorben war. Wir waren alle ziemlich geschockt. Er hatte ja nie was gehabt, das kam so plötzlich und er war ein sehr beliebter, wenn auch zurückgezogener Mensch. Aber ein lustiger, der Musik über alles liebte. Er war damals der erste, der sich einen CD-Player anschaffte und der hatte ne Plattensammlung - da konnte ich nur von träumen.
Jedenfalls war dann am Freitag die Beerdigung. Ich ging hin mit meinen Eltern. Die Kapelle war so voll, daß wir hinten stehen mußten und es war schweinekalt. (Warum sind Beerdigungen immer im November?)
Der Pastor erzählte da Sachen über den Tod, da hätte ich am liebsten dazwischen geredet - er machte mich irgendwie wütend. Und dann diese Orgelmusik. Grauenhaft! Ich dachte immer nur, wenn Achim das Hört, der kriegt ja Zustände, als plötzlich von rechts nach links ein warmes Feld, so wie eine Heizung an mir vorüberzog. Das war deutlich zu spüren, denn es war ansonsten sehr kalt da in der Kapelle. Ich guckte meine Mutter an, die neben mir stand, aber keine Reaktion. Später habe ich sie noch danach gefragt, aber sie hat das nicht bemerkt.
Nach der Beerdigung bin ich noch zu meinen Eltern gefahren, um mit ihnen einen Kaffee zu trinken und wir sprachen nochmal über all das. Ich sagte zu meiner Mutter sowas wie: "Also, als Du mir das am Montag erzählt hast, daß Achim ein Blutgerinnsel im Kopf hatte, - das war ein regelrechter Schock!"
Und sie: "Moment mal, das habe ich Dir nicht erzählt, weil ich das am Montag noch gar nicht wußte, denn er ist erst am Mittwoch obduziert worden. Niemand wußte nämlich, woran er gestorben war!"
Darüber kriegten wir uns dann noch in die Haare, denn sie hatte es mir am Telefon erzählt, mit ihrer eigenen Stimme, woher sollte ich es denn sonst wissen? Noch am selben Abend habe ich meine Freundin angerufen und sie gefragt, was ich ihr am Montag erzählt habe. Zuerst war sie ein wenig verdutzt, weil ich das wissen wollte, aber es stellte sich heraus, daß ich ihr montags gesagt hatte, woran er gestorben war. Hatte ich also Recht gehabt. Meine Eltern wollten davon dann aber nichts wissen und lenkten ab.
Auf dem Nachhauseweg von meinen Eltern, im Auto, schaltete ich entgegen meiner Gewohnheit das Radio ein. Ich höre nie nie nie Radio im Auto, immer nur CDs, damals halt noch Cassetten. Aber es zog mich irgendwie magnetisch dahin. Da kam ein Lied, eins von Achims Lieblingsliedern, womit er uns auf einer Party mal "genervt" hatte, weil er das immerzu aufgelegt hatte.
http://www.youtube.com/watch?v=JYikxPcJK1IIm Auto hatte ich das Gefühl, jemand sitzt hinter mir, auch zu Hause noch. Das hielt bis ca. 3 Wochen nach seiner Beerdigung an. In dieser Zeit sah auch mein Sohn den Mann oben auf der Treppe stehen.
Und erst viel später ist mir wieder eingefallen, wie es nachts an der Haustür geklingelt hatte, es war seine Todeszeit.
Ich habe mir nicht ausgesucht, sowas wahrzunehmen, ich wollte das gar nicht, es hat mir damals große Angst gemacht. Aber heutzutage denke ich daran mit einem Gefühl der Bereicherung. Dinge, die mir selbst passieren, muß ich niemandem glauben, es sind Fakten. Und sie haben mich in meinem "Verständnis" für den Tod weitergebracht.
So, nun muß ich aber ins Bettchen.
Hoffe, es ist nicht zu lang zum lesen geworden ...
Nachtilein,
Gondwana