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Autor Thema: Begegnungen mit dem Tod  (Gelesen 359 mal)
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Gondwana
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« am: 30. Oktober 2007, 00:25:11 »

Hallo,

im Cyberspace-Thread habe ich vorhin geschrieben, wie mein Sohn, als er klein war einmal bei uns im Haus einen Mann auf der Treppe hat stehen sehen. Seine Beschreibung passte genau auf einen Bekannten, der kurz zuvor gestorben war. Ich möchte diese Geschichte einmal erzählen und vielleicht folgen noch weitere.

Es war 1993, ich wohnte damals mit meinem Sohn in dem Haus, das mein Mann und ich uns gekauft hatten. Es lag nach hinten raus sehr einsam, was mir nie etwas ausgemacht hatte, erst als mein Mann auszog, weil wir uns trennten. Ab da konnte ich kaum noch schlafen, weil ich Angst hatte. Jeden Abend bin ich eine Stunde lang durchs Haus getigert, um mich zu vergewissern, daß auch ja niemand sich irgendwo versteckt hat und dann lag ich noch stundenlang wach, hörte mein Herz klopfen ... und fragte mich, wie ich es schaffen sollte, zu flüchten, falls wirklich mal etwas passierte ... mein Kind unterm einen Arm, meinen Vogel unterm anderen?

Es war jedenfalls eine grausige Zeit, noch dazu häufte sich das, was ich Effekte nenne, - Träume, die Realität wurden, Bilder im Kopf von Ereignissen, die kurz danach passierten etc. ...

In einer Nacht von Samstag auf Sonntag im November konnte ich wieder mal nicht einschlafen, als es an der Haustür klingelte. Es war 1 Uhr und ich war fast wie gelähmt vor Angst. Ich horchte, aber es klingelte kein zweites Mal. Dann hörte ich Schritte, die die Treppe vor der Haustür wieder hinuntergingen, dann auf dem Bürgersteig, klar und deutlich. Mein Schlafzimmer war im 1.Stock und ich hatte ein Rolleau, was ich zur Seite schob, um rauszusehen, zu gucken, wer da unten auf dem Bürgersteig herging, denn da war eine Laterne. Ich hörte ganz genau die Schritte, in dem Bereich des Lichtscheins, den ich gut überblicken konnte, aber denjenigen, zu dem sie gehörten, sah ich nicht. Als wäre ein Unsichtbarer da hergegangen.

Da viele merkwürdige Dinge zu der Zeit passierten, vergaß ich den Vorfall wieder. Am darauffolgenden Montag, also 1 1/2 Tage später rief meine Mutter mich an, - ich solle mich hinsetzen, sie hätte eine schlechte Nachricht für mich. Ein gemeinsamer Bekannter, Achim, der erst Anfang 30 war, war in der Nacht von Samstag auf Sonntag gestorben. (an diese Sache mit der Klingel dachte ich aber erst viel später wieder)
Er hätte ein Blutgerinnsel im Kopf gehabt.

Sofort nach dem Telefonat rief ich meine Freundin Sabine an, die Achim auch gut gekannt hatte, erzählte ihr dasselbe, wann und woran er gestorben war. Wir waren alle ziemlich geschockt. Er hatte ja nie was gehabt, das kam so plötzlich und er war ein sehr beliebter, wenn auch zurückgezogener Mensch. Aber ein lustiger, der Musik über alles liebte. Er war damals der erste, der sich einen CD-Player anschaffte und der hatte ne Plattensammlung - da konnte ich nur von träumen.

Jedenfalls war dann am Freitag die Beerdigung. Ich ging hin mit meinen Eltern. Die Kapelle war so voll, daß wir hinten stehen mußten und es war schweinekalt. (Warum sind Beerdigungen immer im November?)

Der Pastor erzählte da Sachen über den Tod, da hätte ich am liebsten dazwischen geredet - er machte mich irgendwie wütend. Und dann diese Orgelmusik. Grauenhaft! Ich dachte immer nur, wenn Achim das Hört, der kriegt ja Zustände, als plötzlich von rechts nach links ein warmes Feld, so wie eine Heizung an mir vorüberzog. Das war deutlich zu spüren, denn es war ansonsten sehr kalt da in der Kapelle. Ich guckte meine Mutter an, die neben mir stand, aber keine Reaktion. Später habe ich sie noch danach gefragt, aber sie hat das nicht bemerkt.

Nach der Beerdigung bin ich noch zu meinen Eltern gefahren, um mit ihnen einen Kaffee zu trinken und wir sprachen nochmal über all das. Ich sagte zu meiner Mutter sowas wie: "Also, als Du mir das am Montag erzählt hast, daß Achim ein Blutgerinnsel im Kopf hatte, - das war ein regelrechter Schock!"
Und sie: "Moment mal, das habe ich Dir nicht erzählt, weil ich das am Montag noch gar nicht wußte, denn er ist erst am Mittwoch obduziert worden. Niemand wußte nämlich, woran er gestorben war!"

Darüber kriegten wir uns dann noch in die Haare, denn sie hatte es mir am Telefon erzählt, mit ihrer eigenen Stimme, woher sollte ich es denn sonst wissen? Noch am selben Abend habe ich meine Freundin angerufen und sie gefragt, was ich ihr am Montag erzählt habe. Zuerst war sie ein wenig verdutzt, weil ich das wissen wollte, aber es stellte sich heraus, daß ich ihr montags gesagt hatte, woran er gestorben war. Hatte ich also Recht gehabt. Meine Eltern wollten davon dann aber nichts wissen und lenkten ab.

Auf dem Nachhauseweg von meinen Eltern, im Auto, schaltete ich entgegen meiner Gewohnheit das Radio ein. Ich höre nie nie nie Radio im Auto, immer nur CDs, damals halt noch Cassetten. Aber es zog mich irgendwie magnetisch dahin. Da kam ein Lied, eins von Achims Lieblingsliedern, womit er uns auf einer Party mal "genervt" hatte, weil er das immerzu aufgelegt hatte.


http://www.youtube.com/watch?v=JYikxPcJK1I


Im Auto hatte ich das Gefühl, jemand sitzt hinter mir, auch zu Hause noch. Das hielt bis ca. 3 Wochen nach seiner Beerdigung an. In dieser Zeit sah auch mein Sohn den Mann oben auf der Treppe stehen.

Und erst viel später ist mir wieder eingefallen, wie es nachts an der Haustür geklingelt hatte, es war seine Todeszeit.

Ich habe mir nicht ausgesucht, sowas wahrzunehmen, ich wollte das gar nicht, es hat mir damals große Angst gemacht. Aber heutzutage denke ich daran mit einem Gefühl der Bereicherung. Dinge, die mir selbst passieren, muß ich niemandem glauben, es sind Fakten. Und sie haben mich in meinem "Verständnis" für den Tod weitergebracht.

So, nun muß ich aber ins Bettchen.

Hoffe, es ist nicht zu lang zum lesen geworden ...


Nachtilein,
Gondwana
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Jasmin
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Und dann weis man nicht was man sagen soll


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« Antworten #1 am: 30. Oktober 2007, 10:44:05 »




Ja Godwana ich verstehe dich sehr gut!

Den auch ich habe nach dem was wirklich ist nie gesucht, mich noch nichteinmal dafür Interesiert. Ich war weder religiös noch gläubig. Wen deine Zeit da ist, dan gibt man dir das Wissen von dem was ist. Und das geschiet  Portionsweise damit du es verkraften kannst. Das geht bei mir schon seit Jahren so, jetzt Schreibe ich ein buch darüber. Es Muss dir keine Angst machen Gott giebt jedem nur das wissen das er auch verkraftet.

Alles Liebe Jasmin



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« Letzte Änderung: 30. Oktober 2007, 10:45:58 von Jasmin » Gespeichert
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« Antworten #2 am: 30. Oktober 2007, 11:15:08 »

Hallo Gondawana!  Smiley

Das ist sehr beeindruckend, was du berichtest und man kriegt tatsächlich Gänsehaut.

Ich erlebe in dieser Hinsicht eher wenig, hab da vielleicht nicht die geeigneten Antennen oder ist es auch nur die männliche Denkungsart, dass was nicht sein kann auch nicht sein darf   Wink

Aber einmal ist mir schon auch was passiert (wenn auch nicht in dieser Ausprägung wie bei dir), ich hatte einen Arbeitskollegen, mit dem ich sehr gut konnte. Er war um einiges älter (so knapp 50) als ich und er war wie ein Mentor zu mir, aber auch ein Freund, den ich wirklich gut kannte.
Ich konnte mit allen Fragen zu ihm kommen und er half mir immer so gut er konnte.
Eines Tages kam er zu mir und sagt, dass er ziemliche Schmerzen im Unterleib habe und dass er zum Arzt gehe. Dieser schickte ihn dann gleich ins Spital, wo er einige Zeit bleiben mußte.
Die Diagnose war recht unklar, denn sie besagte, dass mehrere innere Organe irgendwie krankhaft entzunden wären aber keine Lebensgefahr bestünde.
Ich war ihn dann auch im Spital besuchen, wo er auf mich keinen übermäßig kranken Eindruck machte, nur über dauernde dumpfe Schmerzen klagte.
Um es abzukürzen, er kam nach ein paar Wochen nach Hause, wo ich ihn dann wiederum besuchte.
Er wirkte äusserlich nicht stark verändert, allerdings machte er auf mich den Eindruck, wie ein Roboter zu agieren und zu sprechen. Er wirkte geistesabwesend und war mir irgendwie total fremd. Ich war wie vor den Kopf gestossen und depressiv, und als ich dann von ihm wegging, grübelte ich die ganze Zeit über diese Fremdheit nach.
In der folgenden Nacht konnte ich deswegen nicht schlafen, und ich erzählte auch meiner Lebensgefährtin, was mich bedrückte, auch wenn ichs nicht genau beschreiben konnte.
Drei Tage danach erfuhr ich dann, dass er gestorben war. Am Zeitpunkt seines Todes habe ich nichts bemerkt oder mich irgendwie anders gefühlt.
Aber ich hatte ich hatte bei meinem Besuch offensichtlich seinen zukünftigen Tod gespürt, auch wenn ich zum damaligen Zeitpunkt nichts mit diesen Gedanken anfangen konnte.
Er war, glaube ich,  schon nicht mehr ganz da, und Teile von ihm wussten das auch, daher diese seltsame Fremdheit, die ich empfand.

LG Troll  Afro
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Gondwana
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« Antworten #3 am: 30. Oktober 2007, 21:17:08 »

Wen deine Zeit da ist, dan gibt man dir das Wissen von dem was ist. Und das geschiet  Portionsweise damit du es verkraften kannst. Das geht bei mir schon seit Jahren so, jetzt Schreibe ich ein buch darüber. Es Muss dir keine Angst machen Gott giebt jedem nur das wissen das er auch verkraftet.


Hallo Jasmin,
hört sich interessant an mit Deinem Buch - was Du schreibst, denke ich auch so, nur manchmal war es fast ein wenig zuviel, wenn sehr viel sehr komprimiert passierte. Dann dachte ich oft: es reicht nun und meist war danach auch erstmal Ruhe ...


Hallo Troll,
danke für Deine Geschichte, die zeigt, daß Du doch wohl die Antennen hast, sonst hättest Du die Befindlichkeit Deines Freundes ja gar nicht wahrnehmen können! Gab es denn noch andere Menschen, denen das völlig veränderte Verhalten Deines Freundes auffiel?


Liebe Grüße an Euch beide,
Gondwana
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« Antworten #4 am: 31. Oktober 2007, 17:42:15 »

Liebe Gondwana!

Ich hatte schon mehrmals Begegnungen mit dem Tod, bedingt durch meine Tätigkeit als Sanitäter bei der Rettung. Und auch privat, im Verwandten- und Freundeskreis, da Gottseidank seltener.

Ich möchte auch ein paar Erinnerungen hervorkramen, finde den Thread super...

Als mein Schwiegervater ins Spital kam, meinte eine (besonders nette) Schwester, es sei eh nicht schlimm, er sei nur hysterisch....in der folgenden Nacht wachte ich auf, weil ich hörte, wie er meinen Namen rief, ganz laut. Aber seltsam verändert - so als würde er eine Melodie singen.

In dieser Nacht fiel er ins Koma und wurde auf die Intensivstation verlegt, wo er später wieder das Bewusstsein erlangte. Ein paar Tage später saßen mein damaliger Mann und ich abends im Wohnzimmer, als wir plötzlich beide ein komisches Gefühl hatten. Wir fingen gleichzeitig an, über seinen Vater zu sprechen und mein Mann verspürte den Impuls in die Klinik zu fahren. Doch die Besuchszeit war schon zu Ende und wir saßen da und schwelgten in Erinnerungen - wir mochten ihn beide sehr gerne und er wohnte fast bei uns, war also ein Teil unseres Lebens.

Beide hatten wir das Gefühl, er würde bei uns sitzen. Es war total eigenartig, wir hatten das Gefühl, uns nicht über ihn, sondern mit ihm zu unterhalten. Und dann, nach einer Minute Schweigen, war dieses Gefühl plötzlich verschwunden. Wie das Erwachen aus einem Traum - und plötzlich ist man wieder in der Realität.

Das Telefon läutete...er war gerade gestorben...

Ich denke, die Geschichte, wie Opa sich später bei uns meldete, kennt Ihr ja schon (ich möcht Euch nicht mit Wiederholungen langweilen).

Liebe Grüße
Spirit
« Letzte Änderung: 31. Oktober 2007, 17:46:54 von Spirit » Gespeichert

Wenn Du etwas nicht willst, gibt es Gründe, wenn Du etwas willst, gibt es Wege...
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