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Autor Thema: Sterbehilfe / ein Tabu?  (Gelesen 1177 mal)
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Kelte
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« am: 24. April 2007, 20:49:32 »

Hallo

wie steht ihr zum Thema Sterbehilfe? Wie weit kann man gehen?

http://www.stern.de/tv/sterntv/577040.html?nv=cp_L2_

Kelte
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Den Wert eines Standpunktes ermittelt man durch Variationen der Perspektive......

Glaube und Wissen verhalten sich wie zwei Schalen einer Waage ...
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« Antworten #1 am: 24. April 2007, 21:27:24 »

Ich muss ehrlich sagen, dass ich keine wirklich fundierte Meinung dazu habe. Auf der einen Seite bin ich dafuer, dass jeder Mensch einen wuerdigen Tod "erhalten" darf, und zwar ohne Schmerzen und ohne Siechtum.

Auf der anderen Seite schreckt mich der Gedanke, dass dies ein ganz klarer Suizid ist.

Wobei fuer mich die Wuerde des Menschen Vorrang haette....

Liebe Gruesse
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Eulchen
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« Antworten #2 am: 25. April 2007, 08:19:52 »

Ich weiss nicht wie es ist starke Schmerzen aushalten zu muessen oder nicht mehr essen zu koennen, daher kann ich darueber kaum urteilen.

Aber grundsaetzlich denke ich waere es angebrachter ordentliche Sterbebegleitung aufzubauen, dann wuerde sich in vielen Faellen das Thema Sterbehilfe nicht mehr stellen.
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« Antworten #3 am: 27. April 2007, 07:04:31 »

Ich weiss nicht wie es ist starke Schmerzen aushalten zu muessen oder nicht mehr essen zu koennen, daher kann ich darueber kaum urteilen.

Aber grundsaetzlich denke ich waere es angebrachter ordentliche Sterbebegleitung aufzubauen, dann wuerde sich in vielen Faellen das Thema Sterbehilfe nicht mehr stellen.

Seltsam

Oh doch, die Frage stellt sich schon! Die Sterbebegleitung nuetzt ja dem Betroffenen nur psychisch, gegen starke Schmerzen kaum.
Sterbehilfe ist OK und sollte zugelassen werden!
Die Grenzen des EGO sollte jeder nach eigenem freiem Willen verlassen koennen, ein Grundrecht wie jede Selbsttoetung.

Seltsam


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Bis dass der Tod dich scheidet !
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« Antworten #4 am: 27. April 2007, 08:39:07 »

Die Selbsttoetung als Grundrecht darzustellen, finde ich ist nicht ok.

Wie viele Menschen haben zum Beispiel temporaer Depressionen, wenn sie da durch sind, sind sie oft froh, sich nicht umgebracht zu haben...

Liebe Gruesse
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Ratte
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« Antworten #5 am: 27. April 2007, 11:00:36 »

Hallo Ihr`s!

Meine Mum ist Dialyse-Patientin... vor ein paar Tage 70 geworden...ihr Schand hat vor ca einem Jahr versagt... nun hat sie einen Herz-Katheder als Zwischenloesung, und zwischenzeitlich wurde ihr am anderen Arm ein Schand gebaut. Dieser wird und wird aber nicht... ihr Unterarm hat den Durchmesser von meinem Oberschenkel!
Man sagt ihr, sie muss nochmal operiert werden... aber sie will nicht mehr! Sie kann fast garnichts mehr alleine... manchmal sind die Schmerzen so gross, dass sie nichtmal mehr allein essen kann.
Sie sagte mir erst gestern, sie moechte diesen Sommer noch erleben, aber dann moechte sie endlich gehen duerfen! Andrererseits, sagt sie, haengt sie aber auch am Leben. An manchen Tagen (und diese ueberwiegen bereits)... wuerde ich ihr da eine Tablette anbieten, die ihr das Sterben leicht macht, sie wuerde sie ohne zu zoegern nehmen!
Wir reden sehr offen ueber das Thema Tod... sie weiss, dass ich mich intensiv damit beschaeftige... aber ich kann mir keine Meinung ueber Sterbehilfe bilden... ich weiss nur, meine Mum hat genug gelitten, und es waere eine Erloesung fuer sie... aber was soll ich ihr sagen??? Soll ich ihr sagen "du musst weiter kaempfen"? Das waere nicht meine innere Ueberzeugung! Ich wurde vor nicht allzulanger Zeit von einer ihrer Pflegeschwestern angerufen... sie hatten gesammelte Tabletten gefunden, und sie entsorgt! Soll ich dafuer sorgen, dass sie naechstes mal nicht entsorgt werden??? Wie macht man es richtig???
Ein extrem schwieriges Thema... doch auch darauf finde ich keine Antwort!

Lieben Gruss
Daniela Smiley
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Eulchen
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« Antworten #6 am: 28. April 2007, 13:27:47 »

Liebe Daniela, ja es ist ein schwieriges Thema.

Du hast die Tabletten aber gefunden und es war richtig sie zu entsorgen, denn wenn du es nicht getan haettest wuerdet du dir Vorwuerfe anderer Art machen.

grundsaetzlich kann man es vielleicht nicht verhindern.

Ich persoenlich empfehle dir die Buecher von Elisabeth Kuebler-Ross zu lesen.

geh doch in den Buchladen und nimm das welches dir am meisten zusagt.
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Ratte
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« Antworten #7 am: 28. April 2007, 17:40:27 »

Hey Eulchen!
Lieb von Dir... aber ueber den Tod und das Leben danach und alles was es da noch so Themennah gibt, hab ich schon so ziemlich jedes Buch, dass es gibt, verschlungen! Ich habe ueberhaupt kein Problem mit dem Tod (freue mich sogar schon drauf, wenn denn mal so weit ist irgendwann)... ich wollte nur als Beispiel dienen, wie schwierig solch eine Frage "Sterbehilfe, ja oder nein" zu beantworten sein kann, wenn es um nahestehende geht.
So markaber es klingen mag, aber wir (meine Mum und ich) haben schon viel ueber dieses Thema geredet. Sie glaubt, es wird drueben alles schrecklich... sie wuerde betraft... sie hat Angst davor. Ich versuche immer wieder, Ihr diese Angst zu nehmen.
Aber wenn ich mir den Treat "suizid" so durchlese, muss ich feststellen, wie sehr diese beiden Themen doch in einander uebergehen... wie aehnlich sie sich sind! Manchmal kann Suizid auch eine Art Sterbehilfe sein.

Lieben Gruss
Daniela Smiley
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« Antworten #8 am: 28. April 2007, 20:56:00 »

Liebe Daniela!

Deine Situation mit Deiner Mama ist sehr beruehrend. Da ich Sani bei der Rettung war, habe ich viele Dialysepatienten kennengelernt. Sie waren meistens depressiv, was kein Wunder ist. Erstens gehts Dir gerade mal ein paar Stunden nach der Dialyse so halbwegs gut, danach steigen die Werte wieder im Blut an, was Dich muede und antriebslos macht, und zweitens haben viele von ihnen gemeint: Das ist kein Leben mehr....alle zwei bzw. drei Tage ins Spital, meistens nachts, keine "Freiheit" mehr, keine Lebensqualitaet, nicht mal essen durften sie, was sie wollten, auch oft kaum etwas trinken, obwohl sie durstig waren.

Manche, die noch sehr jung waren, hatten eine Chance auf eine Spenderniere und damit auf ein "neues Leben",wie sie es nannten.

Ich war jedesmal erschuettert und ich kann mir ein wenig vorstellen, wie Dir zumute sein muss. Du scheinst das jedoch ganz gut hinzukriegen, kommt so rueber.....

Wenn es jedoch Probleme geben sollte, ich weiss nicht, wie es in Deutschland ist, aber in Oesterreich gibts die kostenlose Hospizbegleitung, die nicht nur als Sterbebegleitung fungiert, sondern auch kostenlose Beratungen fuer Angehoerige anbietet.

Das tut mitunter ganz gut, mal mit jemanden zu sprechen, der weiss, was Sache ist, der z.B. weiss, wie man reagieren koennte, wenn Deine Mutter
Angst vor "drueben" hat, um ihr diese Angst zu nehmen. Die Mitarbeiter (ich kann jetzt nur von Oesterreich sprechen) sind da top geschult und sehr einfuehlsam. Sie helfen uebrigens auch bei Krankheit generell, nicht nur "Sterbe"-begleitung. Vielleicht solltest Du Dir mal so ein Gespraech einfach goennen, es tut wirklich gut (und kostet nichts).

Meine Oma wurde 94 Jahre alt, wobei auch deshalb so lange gelebt hat, weil sie sich vor dem Tod so sehr fuerchtete. Katholische Vorstellungen vom "Fegefeuer" & Konsorten hatten bei ihr blanken Horror ausgeloest. Fuer die Angehoerigen war das auch nicht gerade leicht.....

Sie starb, als sie zwei Medikamente verwechselte und dadurch fuer kurze Zeit voellig verwirrt war - die Angst fiel weg und sie schlief einfach ein...

Ich wuensche Euch zwei das Allerbeste,

liebe Gruesse
Spirit





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Ratte
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« Antworten #9 am: 28. April 2007, 21:22:18 »

Hey Spirit!

Ja... ich komm da ganz gut mit klar. Die Sache mit meiner Mum und mir ist etwas kompliziert, und passt hier nicht rein... aber auf Grund dieser Umstaende hab ich nen guten gefuehlsmaessigen Abstand dazu. Ich wollt auch garnicht, dass es so rueber kommt, als wuerde ich mein Leid klagen wollen... sicherlich tut mir das leid, es so mit anzusehen, aber da sind auch viele Hintergruende, die mich das ganze ganzheitlicher sehen lassen. Ich kann also sozusagen verstehen, warum alles so ist wie es ist... und das macht es leichter fuer mich.
Was Du geschrieben hast, ueber die katholische Praegung, ist auch u.a. das Problem, was es halt nicht leicht fuer sie macht.

Ich helfe ihr so gut ich kann mit reden... also wenn Du so willst, bin ich selber ihre Hospizbegleitung.
Das ist auch ein sehr empfindliches Thema bei Fremden... Fremden wuerde sie nicht glauben... ja nicht mal in die Wohnung lassen... Aber danke fuer den Tip... ich werde mich mal informieren, wie man da noch Hilfe bekommen kann, vielleicht, ohne dass sie das merkt oder so.

Naja... ich wollt wie gesagt nur mal ein Beispiel nennen, wie schwierig es ist, bei dem Thema Sterbehilfe Stellung zu beziehen.

Meine Mum wollte ein Schreiben von mir aufgesetzt haben, welches mir, und nur mir (keinem meiner Geschwister) das Recht zuspricht, alle Entscheidungen bezgl ihrer Person zu treffen, wenn sie selber nicht mehr in der Lage dazu ist.
Dazu gehoert auch, dass sie nicht kuenstlich am Leben erhalten werden will, sollte es einmal soweit kommen.

Dann werde ich mit diesem Thema direkt konfrontiert werden. Dann werde ich entscheiden muessen zwischen Leben oder Sterben.

Ich habe ihr diesen Wunsch erfuellt... und werde ihr ihren Wunsch auch dann erfuellen muessen. Jedoch werde ich dann auch wohl selber Hilfe in Anspruch nehmen muessen. Das wird dann sicher nicht leicht. Aber jetzt ist noch alles ok. Danke Spirit!

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« Antworten #10 am: 28. April 2007, 21:41:14 »

Liebe Daniela!

Ich hatte nicht das Gefuehl, dass Du jammerst oder so, absolut nicht.

Mit der Hospizbegleitung meinte ich auch nicht, dass "fremde" Menschen zu Deiner Mum kommen, sondern dass DU - ohne Deine Mutter - ein Gespraech oder mehrere Beratungen in Anspruch nehmen koenntest. Gerade beim Thema "Angst vor dem Tod" haben sie sehr viel Erfahrung und koennen Dir vielleicht erzaehlen, wie man es schafft, dem Patienten da drueber zu helfen.

Ich war selbst mal bei dem Verein (ich machte die ersten Schulungen, dann kam bei mir die Scheidung und ich hatte ueberhaupt keine Zeit mehr dafuer, deshalb hoerte ich dann leider auf) und war voellig ueberrascht, wie relativ "einfach" diese Menschen dem Betroffenen oft gerade solche Aengste nehmen konnten.

Ja, und bei uns in Oesterreich bekommt man bei den verschiedenen Hospizstellen fertige Formulare fuer die Festlegung, dass man keine lebenserhaltenden bzw. verlaengernden Massnahmen haben moechte. Und dazu gleich eine rechtliche Beratung fuer den "Ernstfall".

Ich weiss nicht, wies in Deutschland laeuft, aber bei uns waere das sonst ein ziemlicher Spiessrutenlauf.....

Liebe Gruesse
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« Antworten #11 am: 28. April 2007, 22:02:47 »

Ach so... da kann ich also Hilfe bekommen, wie ich meiner Mum die Angst besser nehmen kann? Das klingt gut. da werd ich mich mal umhoeren.

Ja... wir haben so ein Formular vom Anwalt aufgesetzt bekommen... war ein ziemliches gerenne... da musste dann noch jemand neutrales unterschreiben, dass sie zum Zeitpunkt der Unterschrift bei klarem Bewusstsein war, und aus freiem Willen diese Unterschrift geleistet hat...
scheint hier alles etwas komplizierter zu sein.

An ein Hospiz-Unternehmen hatte ich damals dabei nicht gedacht, denn ich wollte selber mal die Sterbebegleitung lernen und machen... also auch bei anderen Menschen... musste dann aber schmerzlich feststellen, dass das hier nur ueber die Kirche geht... und da hab ich ne Abneigung gegen.

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« Antworten #12 am: 28. April 2007, 22:14:18 »

Liebe Daniela!

Ich dachte zuerst, das gaebe es nur in Oesterreich, aber beim Googeln bin ich dann doch fuendig geworden, hier ein Link fuer erste Infos:

http://www.hospiz-bewegung.de/

Liebe Gruesse
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« Antworten #13 am: 28. April 2007, 22:45:35 »

Danke Spirit!!!

Email dorthin ist schon unterwegs...
das klingt sehr gut!

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« Antworten #14 am: 29. April 2007, 10:51:01 »

Es gibt Laender, wo Sterbehilfe (auch aktive) bereits Eingang in die Gesetzgebung gefunden haben.
Was haltet ihr davon? Wie weit darf Sterbehilfe gehen?
Abschalten von Geraeten?
Aussetzen von kuenstlicher Ernaehrung?
Aktive Verabreichung von toedlichen Substanzen?
....?

Kelte

@Ratte:
Links:
http://www.hospiz.net/
http://christoph-student.homepage.t-online.de/42900.html
http://www.hospiz.org/deutschl.htm#Hospizbewegung
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