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Autor Thema: Sterbehilfe / ein Tabu?  (Gelesen 1077 mal)
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Spirit
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« Antworten #15 am: 30. April 2007, 09:04:17 »

Lieber Kelte!

Ich glaube, das ist (mir persoenlich) noch ein Schritt zu weit. Zuerst muesste man sich prinzipiell fuer oder gegen Sterbehilfe entschieden haben, um die Eingrenzung festlegen zu koennen.

Also ich fuer meinen Teil trau mich da gar nicht drueber. Ich weiss, das ist ein wichtiges Thema, doch ich finde irgendwie keine "prinzipielle" Meinung dazu. Vielleicht ist das auch der Punkt - es sollte nichts "prinzipielles" geben, sondern individuelle Loesungsmodelle sein.

Die Forderung z.B. bei "hoffnungslosen" Faellen keine lebenserhaltenden Massnahmen (auch keine kuenstliche Ernaehrung) etc. zu setzen, ist gefaehrlich - denn wissen wir, ob diese Faelle tatsaechlich "hoffnungslos" sind? Zu oft ist es in meinem Bekanntenkreis zu absolut falschen Diagnosen gekommen.

Auf der anderen Seite, wenn ein Mensch tatsaechlich und beweisbar nur noch einen langsamen, schmerzhaften Weg vor sich hat..... Roll Eyes ich weiss es nicht....

Liebe Gruesse
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« Antworten #16 am: 04. Juli 2007, 20:55:03 »

Hi, gesammelte Tabletten heisst nicht, das man sie auch nimmt. Mal eine kleine Geschichte: Bei uns im Hospiz wurde mal ein junger Mann begleitet, dessen Schicksal es war immer mehr zu erlähmen, bis zum Erstickungstod. Nun, auch er dachte an Suizid und er hätte ihn auch begehen können, weil in seiner Wohnung jede menge Opiate lagen. Es wäre für ihn kein Problem gewesen eine Überdosis zu nehmen. Man sprah ganz offen mit ihm über seine Ängste und als herausgefunden wurde, dass er Angst vor Erstickung hat, wurde ihm versichert, dass er am Ende narkotisiert wird und somit nichts vom Ersticken durch Lähmung der Atemswege mitbekommen wird. Für ihn war das Problem gelöst und er genoss seine kurze Zeit noch, zum Beispiel war er dann noch auf einem Konzert von Die Ärzte.  Er wurde dann am Ende narkotisiert.

Spricht ein Sterbenskranker von Suizid oder aktiver Sterbehilfe, so stecken meistens Ängste dahinter und man muss offen darüber reden und vor allem ihm diese Gedanken zugestehen. Wahr und Ernst nehmen, aber weder ihm absprechen oder es selber beführworten. Die eigene Einstellung zur Sterbehilfe darf nicht relevant sein, sonst stülpt man jemanden etwas über, dass er nicht wirklich will. Schmerzen können gelindert werden und ein dahinsiechen durch palliative maßnahmen finden nicht wirklich statt.
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« Antworten #17 am: 04. Juli 2007, 21:44:43 »

Ja, ich denke da hast Du recht. Vor dem Sterben selbst bzw. vor dem Tod werden die Menschen ja keine Angst haben - nur vor den möglichen Umständen dabei. Schmerzen, Ersticken und andere schreckliche Dinge.

Wenn die nicht wären, wäre das wahrscheinlich nicht notwendig, über Sterbehilfe zu reden.  Roll Eyes

Wobei - ich weiß nicht, ob ich noch leben möchte, wenn ich z.B nur noch gelähmt im Bett liegen könnte z.B. bei Halswirbelverletzungen und annehmen müsste, dass das nun noch Jahre oder sogar Jahrzehnte so weitergeht - ohne Hoffnung auf Veränderung.

Naja, und da gibts dann wahrscheinlich auch noch die Hoffnung, dass irgendwann etwas erfunden wird, das Nervenzellkerne wieder regenerieren kann.

Liebe Grüße -ist ein schwieriges Thema, finde ich,
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« Antworten #18 am: 04. Juli 2007, 21:59:31 »

Nun Spirit, es ist immer etwas problematisch und Menschen ändern auch mal ihre Meinung und entscheiden sich auch um. natürlich habe ich hier auch wieder ein Beispiel Wink

Es ist in Deutschland ja so, dass bei der Krankheit ALS per Patientenverfügung, verfügt werden kann, dass man nicht an ein Beatmungsgerät angeschlossen wird, sondern eine finale Sedierung bekommt, denn wenn man erst künstlich beatmet wird, dann kommt man nicht mehr von weg. Bei ALS ist es ja so, dass man völlig gelämt ist, nicht mehr selbstständig atmen kann und auch nicht mehr mit der Umwelt kommunizieren kann und das bei vollem Bewusstsein. Das Gemeine bei ALS ist ja, dass man im Endstadium, alles mitbekommt, weil man bei wachem Verstand ist. Nun gab es eine Mutter von 2 Kindern, die solch eine Verfügung hatte und es auch durchgeführt worden wäre. Kurz bevor es soweit war, entschied sie sich um. Sie wusste das sie mit den Kindern nicht mehr spielen und reden kann, aber dass sie eben noch ca 2 bis 4 Jahre zusehen kann, wie die Kinder aufwachsen und wiederruf ihre Verfügung. Das war kein Problem. Bei gesetzlisch erlaubter aktivrt Sterbehilfe sehe ich die gefahr, das man dann "festgenagelt" wird und es keine Möglichkeit zur Umkehr gibt
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« Antworten #19 am: 05. Juli 2007, 02:12:47 »

Hey Jimmy!

Interessannte Fälle, die Du da kennst!
Gänsehaut!
Aber was, wenn ein Mensch schon seit Jahren immer wieder ins Krankenhaus muß, und permanent Schmerzen hat, die nicht gelindert werden können, wenn, dann höchstens mal für n paar Stunden?
Und deshalb endlich sterben möchte... um endlich diese Schmerzen loszuwerden.

Lieben Gruß
Daniela Smiley
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« Antworten #20 am: 05. Juli 2007, 08:05:40 »

Kurz bevor es soweit war, entschied sie sich um. Sie wusste das sie mit den Kindern nicht mehr spielen und reden kann, aber dass sie eben noch ca 2 bis 4 Jahre zusehen kann, wie die Kinder aufwachsen und wiederruf ihre Verfügung.

War sie diese letzte Zeit nicht im Krankenhaus? So ganz habe ich das jetzt nicht verstanden, heißt das, dass sie die letzten Jahre zuhause am Beatmungsgerät angeschlossen war? Eine mutige Entscheidung, finde ich. Ich weiß nicht, ob ich das hätte durchstehen können.....

Liebe Grüße
Spirit
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« Antworten #21 am: 05. Juli 2007, 18:08:54 »

Kurz bevor es soweit war, entschied sie sich um. Sie wusste das sie mit den Kindern nicht mehr spielen und reden kann, aber dass sie eben noch ca 2 bis 4 Jahre zusehen kann, wie die Kinder aufwachsen und wiederruf ihre Verfügung.

War sie diese letzte Zeit nicht im Krankenhaus? So ganz habe ich das jetzt nicht verstanden, heißt das, dass sie die letzten Jahre zuhause am Beatmungsgerät angeschlossen war? Eine mutige Entscheidung, finde ich. Ich weiß nicht, ob ich das hätte durchstehen können.....

Liebe Grüße
Spirit
Sie war zu Hause, sonst hätte es ja keinen Sinn gemacht und die Kinder sind gut damit klar gekommen, obwohl sie noch jung waren
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« Antworten #22 am: 05. Juli 2007, 18:11:46 »

Hey Jimmy!

Schau doch bitte noch mal eine Seite zurück.. vielleicht könntest Du mir dazu noch was sagen?

Lieben Gruß
Daniela Smiley
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« Antworten #23 am: 05. Juli 2007, 19:02:09 »


Aber was, wenn ein Mensch schon seit Jahren immer wieder ins Krankenhaus muß, und permanent Schmerzen hat, die nicht gelindert werden können, wenn, dann höchstens mal für n paar Stunden?
Und deshalb endlich sterben möchte... um endlich diese Schmerzen loszuwerden.

Lieben Gruß
Daniela Smiley
Das ist eher eine hypothetische Frage. Nenn mir mal einen konkreten Fall, wo permanent Schmerzen auftreten. Bei Krebspatienten jedenfalls bringt eine Schmerztherapie schon große Linderung. Völlig schmerzfrei wird nicht gehen, aber Stunden von erträglichem Schmerz, stellt aber auch schon eine gewisse Art von Lebensqualität dar. In der Regel freuen sich Schmerzpatienten schon über solche kurze Zeit der Linderung.

Natürlich kann ich seltene Fälle nicht ausschliessen, aber wegen seltener Fälle eine allgemeine aktive Sterbehilfe?
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« Antworten #24 am: 05. Juli 2007, 19:17:21 »

Hey Jimmy!

Bei der Frage bezog ich mich auf meine Schilderung des Leides meiner Mum ziemlich am Anfang dieses Treats.
Ewiges Leid, ewiger Schmerz... und sie redet nur noch von "ich will nicht mehr"

Lieben Gruß
Daniela Smiley
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« Antworten #25 am: 05. Juli 2007, 19:18:43 »

Hey Jimmy!

Bei der Frage bezog ich mich auf meine Schilderung des Leides meiner Mum ziemlich am Anfang dieses Treats.
Ewiges Leid, ewiger Schmerz... und sie redet nur noch von "ich will nicht mehr"

Lieben Gruß
Daniela Smiley
Ach so, ich werd mir das mal noch mal durchlesen
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« Antworten #26 am: 05. Juli 2007, 20:00:13 »

@ Ratte
Das mit deiner Mutter ist natürlich schon etwas schwierig, da palliative Schmerztherapie leider mehr bei Tumorerkrankungen eingesetzt wird. Eine Erweiterung wäre sehr wünschenswert. Es ist auch schwierig zwischen Einzelfällen und allgemeinen Fällen zu unterscheiden. Im Prinzip geht zur Zeit nur, bei deiner Mutter zu schauen welche anderen Komplikationen auftreten können, wo eine Patientenverfügung auch greift bzw wo passive Sterbehilfe möglich ist. Ist zwar natürlich blöd, darauf zu "hoffen" das diese Komplikationen auftreten, aber eine andere Möglichkeit gibt es nicht. (Ich hoffe, ich werde jetzt nicht falsch verstanden)

Eine gesetzliche allgemeine Sterbehilfe würde zu sehr pauschalisieren.
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