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Autor Thema: Was haltet Ihr von Sterbehilfe?  (Gelesen 195 mal)
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Yda
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« am: 30. Juni 2008, 20:28:44 »

Ihr Lieben,

jetzt hat es auch in Deutschland jemand gewagt,
einem Menschen beim Sterben zu helfen und nochdazu,
dieses zu dokumentieren bzw. auch eine Maschine
für tödliche Injektionen zu erfinden, die er auf Verlangen zur Verfügung stellt.

Zum Nachlesen hier der link:
http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,562976,00.html

Wie ist Eure Meinung dazu - ablehnend oder befürwortend?

Ich persönlich finde es zunächst erstmal stark,
dass sich dieser Mann da rangetraut hat mit allen zu befürchtenden juristischen Konsequenzen für sich selbst.

Wer schon selbst kranke, leidende Menschen erlebt hat,
kann das vielleicht auch verstehen.

In meiner erst kurzen Berufserfahrung als Altenpflegerin habe ich leider schon erleben müssen,
wie in einem kleinen Heim aus Angst des Chefs, dass man möglicherweise zum Todesspritzer ernannt wird, einer im Präfinalstadium dahinvegetierenden Krebspatientin vom Arzt verordnetes Morphium in geringeren Dosen als notwendig verabreicht wurde, so dass die Patientin unter unsagbaren Schmerzen leiden musste, was in eklatanter Weise und so offensichtlich gegen die Menschenwürde verstoßen hat, die sich ein jeder Pfleger in seiner Ausbildung zu Herzen nimmt (§ 1 Grundgesetz!), dass ich unter dieser Verweigerung von Hilfe schwer gelitten habe und auch deshalb den Arbeitgeber wechselte, da ich das mit meinem Gewissen nicht vereinbaren konnte.

Tumordurchbruchsschmerzen sind die schlimmsten Schmerzen überhaupt.
Auch wenn es Schmerztherapien gibt, die mit Morphium lindern und in Kombination mit unterschiedlichen Wirkstoffen eine noch höhere Schmerzlinderung erreicht werden kann, so wurde uns im Schmerzseminar im Hospiz trotzdem offen bekannt, dass es auch heute auf dem modernen Stand der Medizin nicht immer gelingt, die absolute Schmerzfreiheit zu erlangen! Das hat mich sehr betroffen gemacht.

Darum kann ich den Todeswunsch dieser im link genannten Krebspatientin nachvollziehen.
Wenn jemand schon so eingeschränkt ist, dass selbst das Aufnehmen von Nahrung schwierig ist und vom Betroffenen selbst als sinnlos empfunden wird - man bedenke im Gegensatz hierzu, welche immense Kraft uns Gesunden oft schon allein aus einem Hunger- und Vorstellungsgefühl heraus entsteht! - dann ist doch schon zu ermessen, WIE SCHLECHT es demjenigen gehen muss.

Im Beitrag wird als Beispiel ein 20jähriger genannt, der bei einem Unfall seine Familie verlor und sich nun den Tod wünscht. Hier sehe ich es differenzierter. Dieser Mensch ist traumatisiert, hat noch eine zu geringe Lebenserfahrung, als dass er wissen könnte, dass man aus Krisen herauskommen kann. Darum würde ich ihm Sterbehilfe verweigern, auch weil er noch sein Leben vor sich hat. Hätte er eine unheilbare Krankheit, würde ich es wohl wieder anders sehen...

Selbst wollte ich kein Sterbehelfer sein.
Wobei es ja nichts anderes ist, wenn man seinen todkranken Hund zum Tierarzt zum Erlösen bringt...

Es ist ein großes Thema.
Ich bin sehr bewegt.
Sicher sind das auch noch nicht die letzten Gedanken, die ich dazu habe.

Wer mag, möge schreiben.
Ich freu mich über Austausch.
Danke,
Yda
« Letzte Änderung: 30. Juni 2008, 20:33:35 von Yda » Gespeichert

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« Antworten #1 am: 30. Juni 2008, 21:06:18 »

Ich möchte einfach nochmal anmerken,
dass es einen immensen Unterschied macht,
ob ich

Sterbehilfe

oder

Sterbebegleitung


mache.

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Spirit
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« Antworten #2 am: 01. Juli 2008, 09:42:58 »

Liebe Yda!

Ich denke, ein Mensch sollte ein Recht auf einen würdigen Tod haben. Ich kann nicht sagen, wie ich mal denken werde, wenn ich selbst in so einer Situation bin. Aber egal, WIE ich darüber denke, ich sollte das Recht haben, auch danach zu handeln.

D.h. wenn ich sterben MÖCHTE, dann sollte ich das auch dürfen.

Es gibt ja derzeit grade mal die Patientenverfügung, in der man zumindest lebensverlängernde Maßnahmen unterbinden kann. Das sehe ich ja schon mal als Fortschritt an.

Ist ein extrem schwieriges Thema, denn auf der anderen Seite: gerade das Thema Morphium wirft ja die Frage auf, ob nicht die allererste Gabe von Morphium nicht bereits letztendlich den Tod verursacht - vielleicht hätte der Mensch noch Chancen gehabt ohne Morphium?

Mir wäre es sehr recht, wenn es andere Möglichkeiten gäbe, Schmerzen zu lindern. Denn Morphium an sich ist ja der Anfang vom Ende.

Darum habe ich gerade zu dem Thema ein sehr gespaltenes Verhältnis.  Roll Eyes

Liebe Grüße
Spirit
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Yda
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« Antworten #3 am: 01. Juli 2008, 17:55:01 »

Liebe Spirit,
Morphium ist sicher der Anfang vom Ende.
Aber wenn es das Ende lindernd begleitet, ist es noch das Beste, was gemacht werden kann.

Ich sah sich eine Patientin elendig quälen.
Sie schrie so laut, dass nachts eine Nachbarin klingeln kam, dass sie fragte, was los sei in unserem Haus,
sie wollte endlich schlafen, ob wir die Frau nicht beruhigen könnten...
Die Chefin hatte gesagt, wir sollten ja keine Spritze mehr geben,
denn es sei ja nur auf "Bedarf" angeordnet.
Sie wollte den Bedarf nicht sehen, aus Angst, angeklagt zu werden.
Sie ließ mit ihrer unregelmäßigen Medikamentengabe die Patientin immer wieder in immer härter werdende Schmerzspitzen geraten - das war absolut brutal!

Wenn so große Unsicherheit besteht,
kann ein Schmerztherapeut vom Onkologischen Forum hinzugezogen werden,
da die allgemeinen Hausärzte zu selten mit Opiaten hantieren und selbst Angst haben,
als Todesengel verklagt zu werden und deshalb vorsichtig "bei Bedarf" forumulieren.

Das, was heute noch teilweise präfinalen Patienten an Schmerzen zugemutet wird,
würde niemand seinem eigenen Haustier zumuten.

Wenn da kein Umdenken stattfindet, habe ich Angst,
so sterben zu müssen.

LG, Yda
« Letzte Änderung: 01. Juli 2008, 17:57:10 von Yda » Gespeichert

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« Antworten #4 am: 01. Juli 2008, 21:11:27 »


Morphium ist sicher der Anfang vom Ende.
Aber wenn es das Ende lindernd begleitet, ist es noch das Beste, was gemacht werden kann.



Ja, das trifft es so ziemlich, was ich damit sagen wollte. Es ist diese Hoffnungslosigkeit, denn wenn man mit Morphium beginnt, gibts kein Zurück mehr. DA wäre ich froh, wenn es etwas anderes gäbe. Denn Morphium ist Tod auf Raten, die Atemlähmung steht zum Schluss.

Ich frag mich oft, ob es nicht irgendeine andere Möglichkeit gäbe, den Schmerz auszuschalten. Etwas, das nicht den Tod herbeiführt. Damit der Patient in Würde sterben kann, ohne durch das Morphium letztendlich umgebracht zu werden.

Ich hoffe, das ist verständlich, wie ich das meine - ich lehne die Schmerzausschaltung nicht ab, ganz im Gegenteil. Nur Morphium ist halt ein Todesbeschleuniger... Roll Eyes

Grübelnde Grüße
Spirit

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