Hi Admin,
das ist ja interessant, was du bzw. die Wissenschaftler da herausgefunden habt!
Ooooch, mir ist grade ein dickes Stück Text abhanden gekommen beim Ändern meines posts...
Muss mich grad mal sammeln und neu schreiben.
Was du zuletzt über Depressionen schreibst, kann ich aus eigenem Erleben auch bestätigen.
Bis vor einigen Jahren war ich ein sehr von Ängsten geplagter Mensch.
Als ich im tiefsten, dunklen Loch gefangen war, musste ich mich ihnen stellen.
Anfangs wusste ich selbst nicht, wie man das machen könnte.
Mein klassisches Helfersyndrom war ja nur Ausdruck meiner Hilflosigkeit, dass ich mich nur an diejenigen
herantraute, die mir vermeintlich unterlegen waren. Das gab mir eine Zeit lang Halt und innere Nahrung.
Aber es saugte mich auch aus.
Auch war es ein Balanceakt: Ich wollte ja nicht aufhören, jemandem helfen zu dürfen!
So ging ich dann bewusst an Problemfälle heran, um zu beobachten, was da eigentlich passiert.
Der Arbeitsmarkt ließ mich nicht länger am Schreibtisch sitzen und wuppte mich hinaus aus der bequemen Büroumgebung mitten ins wirkliche LEBEN und sogar dem Tod vor die Füße.

Ich konnte nicht mehr ausweichen!
Warum also sollte ich nicht Altenpflegerin werden?
Ja, es gibt viele, die sich geweigert haben, diese Umschulung zu machen.
Zu mir passt das schon. Kopf- und Körperarbeit, von allem etwas. Ein so großes Feld, dass man sich gut
betätigen kann in ganz vielen Richtungen. Bin auch lange noch nicht fertig damit...
Was hab ich für Ängste ausgestanden in meiner Ausbildung...
Teilweise habe ich auch heute noch Schiss.
Gestern z.B. als ich nach längerer Nachtdienstpause, weil wir nun eine hauptamtliche Nachtwache bekommen haben, nun doch mal wieder kurzfristig einspringen musste...
Wir haben momentan eine Präfinalpflege in unserem kleinen Heim, die ansich auf einen Hospizplatz wartet.
Wie es aussieht, wird sie aber bei uns versterben.
Ich hatte im Gefühl, dass das gestern nachts dann wohl passieren würde.
Hatte massiv Angst davor, weil wir nachts allein arbeiten.
Ich muss also allein entscheiden, was ich tue:
Wann ich Morphin spritze, wann ich den Arzt rufe, wie hoch ich die Sauerstoffgabe dosiere (sie hängt nachts
bereits am Beatmungsgerät), wann ich die Verwandten anrufe oder die Chefin, wenn der Tod eingetreten ist, usw...
Dazu muss man sehen, dass ich noch 13 andere Bewohner zu überwachen habe und die Inkontinenzversorgung
nachts für alle gewährleistet sein muss. Wäscheberge sind zu bewältigen.
Dokumentation gehört auch noch dazu, Medikamente stellen für den nächsten Tag und das Frühstück vorbereiten...
Also eine Masse an Aufgaben, die koordiniert werden müssen. Eine nette Herausforderung, täglich aufs Neue.
Ich sammelte mich gestern abend innerlich und sagte mir: Wenn du Angst hast, wovor eigentlich?
Mir fehlten zwei-drei Infos, die mir die liebe Spätdienstkollegin leider nicht geben konnte.
(Verantwortungsbewusstsein fällt scheinbar auch bei jedem anders aus. Ich hätte an ihrer Stelle nicht im Spätdienst arbeiten können bzw. wollen, ohne zu wissen, wo die Kanülen für die Schmerzmedi-Gabe zu finden sind...)
Also aufhören zu bibbern, jemandem vom Frühdienst anrufen u. gut ist's.
Hab ich dann auch gemacht, und gleich war ich ruhiger.
Dann habe ich statt 2stündlicher Kontrolle jede halbe Stunde nach der Sterbenden geschaut.
Geguckt, ob sie Schmerzen hat, ob sie gut liegt, ob sie sprechen möchte oder was trinken.
Hab öfter kurz bei ihr gesessen und mir alles ganz bewusst angesehen - wie sich ihr Aussehen verändert,
der Ausdruck ihrer Augen usw.
Ich sah den Tod darin. Sie ignoriert ihn noch immer!
Dann war ich ganz ruhig und fühlte mich der Aufgabe gewachsen.
Es passiert nichts, was nicht schaffbar wäre.
Es stirbt ein Mensch.
Ich bin irgendwie ergriffen, dass gerade ich dabei liebevoll Unterstützung geben darf.
Mir gibt es Antwort auf viele innere Fragen.
Ängste verkleinern sich, weil ich zusehen darf.
Ich hoffe, ich bin nicht zu sehr ausgeschweift und noch verständlich...?
Liebe Grüße, Ida