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Autor Thema: Wer hat Angst vor dem Tod?  (Gelesen 3381 mal)
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Jasmin
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Und dann weis man nicht was man sagen soll


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« Antworten #75 am: 24. Mai 2007, 08:41:23 »

Ist man den Koerper, Lebenspein dan los
Fuehlt man sich beschwingt und famos

Schwebt im dem Universum,  so dahin
Will ich gar nicht wissen wo  ich  bin

Den dan gibts fuer mich keine Grenzen
Keine Aerger und auch keine Differenzen

Von diesem Zustand kann man nur Traeume
von gruenen Wiesen Wasser und den Baeumen

L.G. Jasmin
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« Antworten #76 am: 24. Mai 2007, 09:25:58 »

Schoen, Jasmin! *applaus*

Dieser Thread wird immer kuenstlerischer! Gefaellt mir... Wink

Lg
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Wenn Du etwas nicht willst, gibt es Gründe, wenn Du etwas willst, gibt es Wege...
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« Antworten #77 am: 24. Oktober 2007, 13:09:02 »

Ist die Angst vor dem Tod irgendwie einordnbar? Scheint so, denn einige Wissenschaftler haben herausgefunden, dass wir durch ein inneres Immunsystem daran gehindert werden, die Konsequenzen dieser Angst, oder eben der Gedanken an den Tod verspüren zu müssen, sobald wir an den Tod denken, werden unsere Gedanken automatisch in eine andere, positivere Richtung gelenkt -- Das psychologische Immunsystem sorgt angesichts der heftigen Bedrohung durch den Schrecken des Todes also einerseits dafür, dass positive Informationen schneller zugänglich gemacht werden und dass sie andererseits über die negativen dominieren.

Quelle:
http://www.blackwell-synergy.com/doi/abs/10.1111/j.1467-9280.2007.02013.x

Das habe ich natürlich im Selbstversuch ausprobiert und tatsächlich, kaum versuchte ich mir, meinen Tod vorzustellen, haben sich positive Gedanken vor die Todesgedanken gelegt. Es war ausgesprochen interessant, zu bemerken, dass mir Gedanken an den eigenen Tod kaum möglich waren.
Im Falle einer Depression dürfte allerdings diese automatische Überlagerung nicht funktionieren, da kann man sich dann so richtig ausgiebig dem letalen Gedankengut hingeben.

LG Admin
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Yda
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« Antworten #78 am: 24. Oktober 2007, 18:17:18 »

Shit, beim Ändern was verrutscht.
Ich schreib gleich nochmal neu.
« Letzte Änderung: 24. Oktober 2007, 18:23:27 von Ida » Gespeichert

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« Antworten #79 am: 24. Oktober 2007, 18:36:41 »

Hi Admin,
das ist ja interessant, was du bzw. die Wissenschaftler da herausgefunden habt!

Ooooch, mir ist grade ein dickes Stück Text abhanden gekommen beim Ändern meines posts...
Muss mich grad mal sammeln und neu schreiben.

Was du zuletzt über Depressionen schreibst, kann ich aus eigenem Erleben auch bestätigen.

Bis vor einigen Jahren war ich ein sehr von Ängsten geplagter Mensch.
Als ich im tiefsten, dunklen Loch gefangen war, musste ich mich ihnen stellen.
Anfangs wusste ich selbst nicht, wie man das machen könnte.

Mein klassisches Helfersyndrom war ja nur Ausdruck meiner Hilflosigkeit, dass ich mich nur an diejenigen
herantraute, die mir vermeintlich unterlegen waren. Das gab mir eine Zeit lang Halt und innere Nahrung.
Aber es saugte mich auch aus.

Auch war es ein Balanceakt: Ich wollte ja nicht aufhören, jemandem helfen zu dürfen!
So ging ich dann bewusst an Problemfälle heran, um zu beobachten, was da eigentlich passiert.
Der Arbeitsmarkt ließ mich nicht länger am Schreibtisch sitzen und wuppte mich hinaus aus der bequemen Büroumgebung mitten ins wirkliche LEBEN und sogar dem Tod vor die Füße.  Cheesy  Ich konnte nicht mehr ausweichen!
Warum also sollte ich nicht Altenpflegerin werden?
Ja, es gibt viele, die sich geweigert haben, diese Umschulung zu machen.
Zu mir passt das schon. Kopf- und Körperarbeit, von allem etwas. Ein so großes Feld, dass man sich gut
betätigen kann in ganz vielen Richtungen. Bin auch lange noch nicht fertig damit...

Was hab ich für Ängste ausgestanden in meiner Ausbildung...
Teilweise habe ich auch heute noch Schiss.
Gestern z.B. als ich nach längerer Nachtdienstpause, weil wir nun eine hauptamtliche Nachtwache bekommen haben, nun doch mal wieder kurzfristig einspringen musste...
Wir haben momentan eine Präfinalpflege in unserem kleinen Heim, die ansich auf einen Hospizplatz wartet.
Wie es aussieht, wird sie aber bei uns versterben.
Ich hatte im Gefühl, dass das gestern nachts dann wohl passieren würde.
Hatte massiv Angst davor, weil wir nachts allein arbeiten.
Ich muss also allein entscheiden, was ich tue:
Wann ich Morphin spritze, wann ich den Arzt rufe, wie hoch ich die Sauerstoffgabe dosiere (sie hängt nachts
bereits am Beatmungsgerät), wann ich die Verwandten anrufe oder die Chefin, wenn der Tod eingetreten ist, usw...
Dazu muss man sehen, dass ich noch 13 andere Bewohner zu überwachen habe und die Inkontinenzversorgung
nachts für alle gewährleistet sein muss. Wäscheberge sind zu bewältigen.
Dokumentation gehört auch noch dazu, Medikamente stellen für den nächsten Tag und das Frühstück vorbereiten...
Also eine Masse an Aufgaben, die koordiniert werden müssen. Eine nette Herausforderung, täglich aufs Neue.

Ich sammelte mich gestern abend innerlich und sagte mir: Wenn du Angst hast, wovor eigentlich?
Mir fehlten zwei-drei Infos, die mir die liebe Spätdienstkollegin leider nicht geben konnte.
(Verantwortungsbewusstsein fällt scheinbar auch bei jedem anders aus. Ich hätte an ihrer Stelle nicht im Spätdienst arbeiten können bzw. wollen, ohne zu wissen, wo die Kanülen für die Schmerzmedi-Gabe zu finden sind...)
Also aufhören zu bibbern, jemandem vom Frühdienst anrufen u. gut ist's.
Hab ich dann auch gemacht, und gleich war ich ruhiger.
Dann habe ich statt 2stündlicher Kontrolle jede halbe Stunde nach der Sterbenden geschaut.
Geguckt, ob sie Schmerzen hat, ob sie gut liegt, ob sie sprechen möchte oder was trinken.
Hab öfter kurz bei ihr gesessen und mir alles ganz bewusst angesehen - wie sich ihr Aussehen verändert,
der Ausdruck ihrer Augen usw.
Ich sah den Tod darin. Sie ignoriert ihn noch immer!
Dann war ich ganz ruhig und fühlte mich der Aufgabe gewachsen.
Es passiert nichts, was nicht schaffbar wäre.
Es stirbt ein Mensch.
Ich bin irgendwie ergriffen, dass gerade ich dabei liebevoll Unterstützung geben darf.
Mir gibt es Antwort auf viele innere Fragen.
Ängste verkleinern sich, weil ich zusehen darf.

Ich hoffe, ich bin nicht zu sehr ausgeschweift und noch verständlich...?

Liebe Grüße, Ida
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« Antworten #80 am: 24. Oktober 2007, 21:10:32 »

Liebe Ida!

*tränenausdenaugenwischt* - das war so ergreifend jetzt, kam ganz toll rüber das Gefühl. Ich finde das toll, was Du und WIE Du es machst.

Ich hatte vor ein paar Jahren (da war ich noch aktiver Sani bei der Rettung) auch mit Schulungen bei der Hospiz angefangen. War sehr interessant - z.B. die Tatsache, dass viele Menschen nicht sterben können, weil noch irgendetwas in ihren Augen zu erledigen ist - die Katze, die sie nicht versorgt wissen oder etwas Unausgesprochenes, das sie noch belastet oder,oder...

Ich musste leider mit den Schulungen aufhören, weil die Scheidung dazwischen kam und ich schon Mühe hatte, zumindest hie und da noch Nachtdienste bei der Rettung zu schieben - später legte ich auch das aufs Eis. Denn da brauchts ja dann einen Babysitter, wenn ich eine Nacht lang nicht da war.

Ich war bei der Rettung auch öfter mal mit Sterbenden konfrontiert, allerdings mit Notfällen, also Verunfallten oder z.B. frischen Herzinfarkten - also eher hochdramatische Sachen und kein ruhiges Sterben.

Da schiebst Du das Sterben weg, weit weg. Bei der Rettung zu fahren hat auch so den Touch von dem Überwinden der Angst durch das Gefühl, etwas tun zu können. Ein Leben vielleicht retten zu können, dem Tod ein Schnippchen schlagen können....In Wahrheit ist das Illusion, aber da denkt man nicht dran. Nur in den Momenten, wo alles umsonst war, da merkt man dann, wie wenig man eigentlich tun kann - wie ohnmächtig man wirklich ist gegenüber dem Tod.

Mir ist auch oft aufgefallen, dass Sterbende anders schauen. Sie haben einen Blick, der scheinbar stechend ist, aber nur scheinbar - in Wahrheit wirkt er so, weil er durch Dich durchgeht. Ich habe es nie geschafft, ihnen in die Augen zu sehen.

Irgendwie finde ich es toll, (auch wenn das jetzt anders klingt, als es gemeint ist) dass Du Gelegenheit hast, Dich mit diesem Thema hautnah auseinander zu setzen.

Unsere Gesellschaft schiebt das Thema ja möglichst weit weg - früher hatten die Menschen es da vielleicht (zumindest in dieser Hinsicht) leichter. Da ist man im Kreis der Familie gestorben und das war natürlich. Der Tod war integriert ins Leben. Heute wird der möglichst ausgeklammert.

Vielleicht ist das, was Admin beschreibt - das Vorschieben von positiven Gedanken als Zeichen der Unmöglichkeit, an seinen Tod zu denken - eine Folge davon?.....

Liebe Grüße
Spirit





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« Antworten #81 am: 24. Oktober 2007, 22:27:46 »

Hi Ida,

vielen Dank für Deinen Bericht. Was Du schreibst, kommt sehr warm rüber. Ich hatte auch mal vor eine Umschulung zur Altenpflegerin zu machen, aber mein Rücken spielt da leider nicht mit. Für mich liest es sich so, daß es genau der richtige Beruf für Dich ist ...


Lieben Gruß,
Gondwana
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Wake up ... you´re not dreaming!
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