Liebe Spirit,
das ist jetzt interessant!
Ich sehe das aus einem ganz anderen Blickwinkel.
Natürlich - die Frauen sind sicher nicht schuld, dass Jungs aggressiver auftreten.
Liebe Yda!
Genau das habe ich aus dem Artikel allerdings herausgelesen, und zwar vor allem in folgenden Zeilen:
SPIEGEL ONLINE: Sollen etwa Eltern, Erzieher, Lehrer aggressive Jungs einfach prügeln lassen?
Bergmann: So lange es ungefährlich ist, unbedingt. Das ist Erlernen von sozialen Verhaltensweisen. Jungs sind schon im zarten Alter von zwei bis vier Jahren völlig anders als Mädchen. Sie müssen ihre Erfahrungen mit dem Raum um sie herum auch mit männlicher Wucht machen können. Wenn das blockiert wird, wird die kognitive und soziale Entwicklung eines Jungen gehemmt. Gleichzeitig werden sie dann eingehüllt in diese weibliche harmonische Lebenswelt, die ihnen unendlich auf den Keks geht.
Weiblich ist auch mütterlich, das darf dabei nicht vergessen werden - und eine Frau ist meistens auch gleichzeitig Mutter. Das würde bedeuten, dass Mütter Söhne nicht erziehen können. Weil sie eben eine "weibliche harmonische Lebenswelt" haben - das, was der Autor kritisiert, denn Jungs sollen "mit männlicher Wucht" Erfahrungen machen können.
Alleine schon die Aussage, dass "aggressive Kinder"
unbedingt prügeln dürfen, weil sie dadurch (!) "soziale Verhaltensweisen" erlernen, finde ich schlichtweg empörend. Wohlgemerkt, es ging hier nicht um balgende Jungs, sondern definitiv um "aggressive" Kinder.
Dieses Kampfgebahren hängt ganz sicher mit dem Testosteron zusammen,
was der männliche Körper nunmal produziert - egal, welche Erziehung der Junge grade bekommt.
Und das will raus, das ist Zündstoff.
Da gebe ich Dir unwidersprochen recht - ob nun die Lehrer männlich oder weiblich sind, hat damit sicher nichts zu tun.
Mittlerweile denke ich daher, dass es sicher richtiger ist, Jungs gleichwertig von Frauen UND Männern erziehen zu lassen. Nicht nur phasenweise, wie jetzt: Grundschule nur Frauen, spätere Schulen nur Männer.
Das muss von Anfang an 50:50 sein, damit das für die Jungs und auch für die Mädels gut ist.
Das Problem dabei, wie schon angesprochen, ist ein ganz simples: Volksschul(=Grundschul)lehrer werden nicht besonders gut bezahlt, und haben kein besonderes Image und schon gar keine Karrieremöglichkeiten (bis auf den Direktorsposten, aber da warten halt schon viele drauf) - damit fällt dieser Beruf für die meisten Männer flach - denn gerade die Grundschule wird noch eher als Erziehungsarbeit gesehen, und das sollen die Frauen machen.....
Eine Frau kennt doch den männlichen Körper nicht aus eigener Erfahrung.
Genauso umgekehrt das Beispiel:
Als ich 13 war, das 2. Mal die Menstruation hatte, hatte ich solche Krämpfe, dass ich den männlichen Sportlehrer bat, mich bitte auf der Bank sitzen zu lassen. Nein, da kam die Antwort, das brauche er schriftlich von meiner Mutter oder vom Arzt bescheinigt! Morgens beim Frühstück, wo ich mir hätte einen Schrieb von meiner Mutter geben lassen können, hatte ich aber noch kein Bauchweh! Und für einen Arztbesuch hat es auch nicht gelangt! Und als krönender Abschluss: "Nu stell dich mal nicht so an, da muss jeder durch!"
Ganz schön krass, oder?
Das finde ich schlimm....möglicherweise könnte das auch sein, dass das nichts mit der Unkenntnis von der weiblichen Anatomie zu tun hatte, sondern mit einer ganz einfachen männlichen Eigenart: Ein Indianer kennt keinen Schmerz....hätte ein Junge die Schmerzen gehabt, wäre dieser "nette" Lehrer sicher auch nicht verständnisvoller gewesen....Auf gut Deutsch: Das muss ein unmöglicher Klotz gewesen sein....

Und so denke ich, dass auch Frauen den Jungs sicher oft an Stellen weh tun, die wir als solche gar nicht erkennen, da uns das männliche Wesen fremd ist.
Ich weiß nicht, Yda...Ich würde als Frau einem Jungen, der Kopfschmerzen hat, auch nicht Hilfe verweigern, genausowenig einem Mädchen, das Menstruationskrämpfe hat....ich versteh da die Sorgen von Deiner Seite her nicht ganz. Ich meine rücksichtslose Lehrer gabs immer und wirds immer geben, aber die sind dann sicher nicht geschlechtsspezifisch rücksichtslos, sondern einfach immer kalt und verständnislos. Und im Gegenzug mütterliches, wohlwollendes Verhalten wird doch einem Jungen nicht schaden?
Jungs waren auch schon VOR PC-Welten und Überreiz aus der Umwelt aggressiver, als Mädchen.
Das liegt sicher in den Genen.
Frauen/Mädchen muss ihren Körper schützen, da dieser Leben gebiert.
Männchen kämpfen für das Überleben der Sippe notfalls mit dem Speer.
Wir stammen nun mal aus dem Tierreich.
Wer weiß, wie lange die Evolution noch braucht, um diese Urtriebe im Menschen abzuschalten?
Ich weiß es nicht, Yda. Die Unterschiede wirds wahrscheinlich noch in tausenden von Jahren geben, weil sie sich bewährt haben. Und ich hätte nix dagegen, wenn es mehr männliche Lehrer gäbe - das ist nicht der Punkt. Sollen mehr männliche Lehrer her, ja, warum nicht...
Ich hab nur irgendwie ein sehr, sehr ungutes Gefühl, wenn von dem Autor argumentiert wird, dass die Männlichkeit (bzw. das was er darunter versteht) in der Schule unterdrückt werden würde, nur weil aggressive Jungs nicht prügeln dürfen....sondern sich so verhalten müssen, dass niemand anderer zu Schaden kommt.
DAS ist mir echt suspekt - wenn unter Männlichkeit in erster Linie das Ausleben von Aggressionen verstanden wird und gleichzeitig Verständnis und soziales Verhalten als "weibliche harmonische Verhaltenswelt" abgelehnt (!) wird, da läuten bei mir schon alle Alarmglocken dem Autor gegenüber....
Und wer sagt denn, dass Frauen automatisch Jungs falsch oder schlechter behandeln würden? Die meisten Lehrerinnen haben doch auch Kinder, und sicher nicht nur Mädchen....
Es geht mir um eine sehr prinzipielle Botschaft des Autors:
Heute wäre die Forderung, Jungs nur von männlichen Lehrern unterrichten zu lassen, später nur von männlichen Professoren, noch später wird gefordert, dass in der Firma, in der sie arbeiten, nur männliche Kollegen vorhanden sein dürfen, weil die weiblichen Verhaltensweisen Komplexe auslösen könnten...weisst Du, woraus ich hinaus will?
Ich erinnere mich noch sehr gut an das Buch "Mann, Du bist gut!" das in den 80ern erschienen war - hier waren ganz ähnliche Ansätze. Die Forderung z.B., dass nur Männer die Jungs erziehen dürfen. Frauen würden das falsch machen, weil sie sich in dem männlichen Hierarchiedenken nicht auskennen. Jungs müssten von Beginn weg nur beim Vater sein, mit in den Job genommen werden (wo idealerweise natürlich auch nur Männer arbeiten), später mit dem Papa ins Puff gehen.....So ähnlich sieht die Konsequenz aus, wenn man den Artikel des Autors zu Ende denkt.

Liebe Grüße
Spirit