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Autor Thema: Poesie der großen Dichter der Welt  (Gelesen 1610 mal)
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MeYLYn
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« am: 05. Januar 2008, 10:42:26 »

Da es so etwas noch nicht gab, hab ich einen neuen Thread eröffnet, ich hoffe es ist ok Shocked.

Aber ich denke den Posieliebhabern, gefallen sicher auch die Werke der großen Dichter

Hier sollen Gedichte, Balladen und sonstige schöne Worte von z.b. Goethe, Schiller, Heine, Hesse, Rilke usw. ihren Platz finden.
natürlich mit dem Hinweis wer der Verfasser war
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Relativ ist das Sein, endlos die Zeit,
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MeYLYn
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« Antworten #1 am: 05. Januar 2008, 10:43:14 »

Verführer

Gewartet habe ich vor vielen Türen,
In manches Mädchenohr mein Lied gesungen,
Viel schöne Frauen sucht ich zu verführen,
Bei der und jener ist es mir gelungen.
Und immer, wenn ein Mund sich mir ergab,
Und immer, wenn die Gier Erfüllung fand,
Sank eine selige Phantasie ins Grab,
Hielt ich nur Fleisch in der enttäuschten Hand.
Der Kuß, um den ich innigst mich bemühte,
Die Nacht, um die ich lang vor Glut geworben,
Ward endlich mein - und war gebrochene Blüte,
Der Duft war hin , das Beste war verdorben.
Von manchem Lager stand ich auf voll Leid,
Und jede Sättigung ward Überdruß;
Ich sehnte glühend fort mich vom Genuß
Nach Traum, nach Sehnsucht und nach Einsamkeit.
O Fluch, daß kein Besitz mich kann beglücken,
Daß jede Wirklichkeit den Traum vernichtet,
Den ich von ihr im Werben mir gedichtet
Und der so selig klang, so voll Entzücken!
Nach neuen Blumen zögernd greift die Hand,
Zu neuer Werbung stimm ich mein Gedicht...
Wehr dich, du schöne Frau, straff dein Gewand!
Entzücke, quäle - doch erhör mich nicht!

Hermann Hesse
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« Antworten #2 am: 05. Januar 2008, 13:55:21 »

Ja - schöne Idee dieser Thread!

Die Elster

Ein Bach, mit Namen Elster, rinnt
durch Nacht und Nebel und besinnt

inmitten dieser stillen Handlung
sich seiner einstigen Verwandlung,

die ihm vor mehr als tausend Jahren
von einem Magier widerfahren.

Und wie so Nacht und Nebel weben,
erwacht in ihm das alte Leben.

Er fährt in eine in der Nähe
zufällig eingeschlafne Krähe

und fliegt, dieweil sein Bett verdorrt,
wie dermaleinst als Vogel fort.

Christian Morgenstern - Palmström
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Yda
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« Antworten #3 am: 05. Januar 2008, 18:12:39 »

Zwei Mönche
Zwei Mönche waren auf der Wanderschaft. Eines Tages kamen sie an einen Fluß. Dort stand eine junge Frau mit wunderschönen Kleidern. Offenbar wollte sie über den Fluß, doch da das Wasser sehr tief war, konnte sie den Fluß nicht durchqueren, ohne ihre Kleider zu beschädigen.

Ohne zu zögern ging einer der Mönche auf die Frau zu, hob sie auf seine Schultern und watete mit ihr durch das Wasser. Auf der anderen Flußseite setzte er sie trocken ab. Nachdem der andere Mönch auch durch den Fluß gewatet war, setzten die beiden ihre Wanderung fort.

Nach etwa einer Stunde fing der eine Mönch an, den anderen zu kritisieren: "Du weißt schon, daß das, was Du getan hast, nicht richtig war, nicht wahr? Du weißt, wir dürfen keinen nahen Kontakt mit Frauen haben. Wie konntest Du nur gegen diese Regel verstoßen?"

Der Mönch, der die Frau durch den Fluß getragen hatte, hörte sich die Vorwürfe des anderen ruhig an. Dann antwortete er: "Ich habe die Frau vor einer Stunde am Fluß abgesetzt - warum trägst Du sie immer noch mit Dir herum?"
Quelle: Frei nacherzählt, The Wisdom of Zen Masters
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Wortkombinationen, FP:
Forumsprobleme hab ick keene. Frappant, oder? (ok, der letzte war jetzt gemogelt.) whistle
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« Antworten #4 am: 05. Januar 2008, 18:18:30 »

Bumerang

War einmal ein Bumerang;
war ein Weniges zu lang.
Bumerang flog ein Stück,
Aber kam nicht mehr zurück.
Publikum - noch stundenlang -
Wartete auf den Bumerang.

Joachim Ringelnatz
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« Antworten #5 am: 07. Januar 2008, 18:45:42 »

Ja, ist eine schöne Idee, dieser Thread - finde ich auch!  sun1

Dies ist eins meiner Lieblingsgedichte von Joseph von Eichendorff



Mondnacht

Es war, als hätt' der Himmel
Die Erde still geküsst,
Dass sie im Blütenschimmer
Von ihm nun träumen müsst.
 
Die Luft ging durch die Felder,
Die Ähren wogten sacht,
Es rauschten leis' die Wälder,
So sternklar war die Nacht.
 
Und meine Seele spannte
Weit ihre Flügel aus,
Flog durch die stillen Lande,
Als flöge sie nach Haus.


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« Antworten #6 am: 07. Januar 2008, 22:10:55 »

Schöne Poesie, so richtig zum Schwelgen!

Hier was von Eugen Roth für alle Kreativen:

Kunst

Ein Mensch malt, vor Begeisterung wild,
drei Jahre lang an einem Bild.
Dann legt er stolz den Pinsel hin,
und sagt: " Da steckt viel Arbeit drin."
Doch damit war´s auch leider aus:
Die Arbeit kam nicht mehr heraus.

Lg
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« Antworten #7 am: 08. Januar 2008, 14:36:55 »

Was es ist

Es ist Unsinn
sagt die Vernunft
Es ist was es ist
sagt die Liebe

Es ist Unglück
sagt die Berechnung
Es ist nichts als Schmerz
sagt die Angst

Es ist aussichtslos
sagt die Einsicht
Es ist was es ist
sagt die Liebe

Es ist lächerlich
sagt der Stolz
Es ist leichtsinnig
sagt die Vorsicht

Es ist unmöglich
sagt die Erfahrung
Es ist was es ist
sagt die Liebe

Erich Fried
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« Antworten #8 am: 08. Januar 2008, 14:49:44 »

Gefällt mir sehr gut, dieser Thread.

Das über Kunst von Eugen Roth - so isses.

Das von Erich Fried- wunderschön.

Auch Eichendorff, Ringelnatz, Morgenstern , Hermann Hesse und die Erzählung von den Mönchen sind so schön zu lesen.

 sun1
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« Antworten #9 am: 08. Januar 2008, 16:24:27 »

Noch ein liebes von Eugen Roth (@Yda, wegen der zu weichen Spaghetti... Winken)

Das Schnitzel

Ein Mensch, der sich ein Schnitzel briet,
bemerkte, daß ihm das mißriet,
jedoch, da er es selbst gebraten,
tut er, als wär es ihm geraten,
und um sich nicht zu strafen Lügen,
ißt er´s mit herzlichem Vergnügen.

Lg
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« Antworten #10 am: 08. Januar 2008, 17:04:32 »


Winter  (Arno Holz)


Du lieber Frühling, wohin bist du gegangen?
Noch schlägt mein Herz, was deine Vögel sangen.
Die ganze Welt war wie ein Blumenstrauß.
Längst ist das aus!
Die ganze Welt ist jetzt, o weh,
Barfüßle im Schnee!
Die schwarzen Bäume stehn und frieren.
Im Ofen die Bratäpfel musizieren.
Das Dach hängt voll Eis.
Und doch! Bald kehrst du wieder, ich weiß, ich weiß!

Bald kehrst du wieder,
oh, nur ein Weilchen,
und blaue Lieder
duften die Veilchen!

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« Antworten #11 am: 08. Januar 2008, 17:29:23 »

Wilhelm Busch

Sie war ein Blümlein

Sie war ein Blümlein hübsch und fein,
Hell aufgeblüht im Sonnenschein.
Er war ein junger Schmetterling,
Der selig an der Blume hing.

Oft kam ein Bienlein mit Gebrumm
Und nascht und säuselt da herum.
Oft kroch ein Käfer kribbelkrab
Am hübschen Blümlein auf und ab.

Ach Gott, wie das dem Schmetterling
So schmerzlich durch die Seele ging.

Doch was am meisten ihn entsetzt,
Das Allerschlimmste kam zuletzt.
Ein alter Esel fraß die ganze
Von ihm so heißgeliebte Pflanze.  Heilig
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« Antworten #12 am: 08. Januar 2008, 22:44:12 »

 Rofl

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« Antworten #13 am: 08. Januar 2008, 23:17:34 »



Eins und alles

Meine Liebe ist groß
wie die weite Welt,
und nichts ist außer ihr,
wie die Sonne alles
erwärmt, erhellt,
so tut sie der Welt von mir!

Da ist kein Gras,
da ist kein Stein,
darin meine Liebe nicht wär,
da ist kein Lüftlein
noch Wässerlein,
darin sie nicht zög einher!

Da ist kein Tier
vom Mücklein an
bis zu uns Menschen empor,
darin mein Herze
nicht wohnen kann,
daran ich es nicht verlor!

Meine Liebe ist weit
wie die Seele mein,
alle Dinge ruhen in ihr,
sie alle, alle,
bin ich allein,
und nichts ist außer mir!


Christian Morgenstern


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« Antworten #14 am: 08. Januar 2008, 23:26:20 »

Schön   Ja ... an dem Gedicht muss ich erkennen, dass ich Morgenstern nur sehr rudimentär kenne  Grin

LG Admin
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