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Autor Thema: Artikel des Tages  (Gelesen 848 mal)
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Spirit
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« am: 20. November 2008, 09:23:37 »

Liebe Foris!

Angeregt durch einen Thread in den Biografien hab ich mir gedacht, es wäre vielleicht ganz nett, hie und da (oder auch täglich?) auf den "Artikel des Tages" in der Wiki hinzuweisen, vielleicht auch darüber zu diskutieren.

Heute, 20. November 2008:

http://de.wikipedia.org/wiki/Selma_Lagerl%C3%B6f

Selma Lagerlöf - 20. November 1858 - 16. März 1940, schwedische Schriftstellerin und Nobelpreisträgerin.

Hier ein Bild von ihr:

http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Bild:Selma_Lagerl%C3%B6f.jpg&filetimestamp=20060621172536

Sie war die zweitjüngste von 5 Kindern, hatte ein Hüftleiden und hinkte Zeit ihres Lebens. Sie entstammte aus einem Gut, das 1890 verkauft werden musste, weil es wirtschaftlich immer mehr bergab ging.

Selma arbeitete als Lehrerin und widmete sich der Schreiberei, 1893 gelang ihr nach einer positiven Kritik dann doch der Durchbruch, nachdem sie anfangs eher kein Glück mit der Schriftstellerei hatte.

Das wohl bekannteste Werk von ihr war "Die wunderbare Reise des kleinen Nils Holgersson mit den Wildgänsen", später adoptierte sie sogar einen kleinen Jungen mit diesem Namen und zog ihn auf.

Sie erwirtschaftete genug Geld, um 19o8 den Hof ihrer Eltern wieder zurückkaufen zu können und machte eine gutgehende Wirtschaft daraus, die in Krisenzeiten, als die Leute keine Arbeit mehr hatten, sogar noch Arbeiter aufnahm, um ihnen zu helfen.

Sie verfügte über ein großes soziales Engagement und engagierte sich auch frauenrechtlich.

Zitat
Selma Lagerlöf engagierte sich insbesondere in Frauenfragen. 1911 hielt sie in Stockholm bei einem internationalen Frauenkongress die vielbeachtete Rede Hem och stat („Heim und Staat“), in welcher sie die „weibliche“ Schöpfung des Heimes, in dem Frieden und Geborgenheit herrschen, der „männlichen“ Schöpfung des von Macht und Gewalt geprägten Staates gegenüberstellt. Dass eine weltbekannte Frau, Nobelpreisträgerin und Gutsbesitzerin, sprach, der das elementare staatsbürgerliche Recht, nämlich das Wahlrecht, verweigert wurde, machte die Rede besonders brisant.

1933 beteiligte sich Selma Lagerlöf an einem Komitee zur Rettung jüdischer Flüchtlinge aus Deutschland. 1940 half sie der deutsch-jüdischen Schriftstellerin Nelly Sachs, nach Schweden zu fliehen, und rettete so deren Leben.

Auch im Kleinen war Selma Lagerlöf aktiv: In ihrer Heimatgemeinde Östra Ämtervik saß sie im Gemeinderat und war Mitglied der Armenverwaltung. Auf Grund ihrer Popularität bekam Selma Lagerlöf zahllose Bitt- und Bettelbriefe aus dem In- und Ausland. Sie half, so gut sie konnte, und schickte oft kleine oder auch nicht so kleine Geldbeträge. Auch in den Krisenjahren in der Weltwirtschaftskrise entließ sie keine Arbeiter, sondern stellte in Mårbacka sogar neue ein, um die Not der Menschen zu lindern.


Liebe Grüße
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« Antworten #1 am: 05. Februar 2009, 17:46:33 »

Hallo Spirit

Es interessiert mich sehr, was du hier schreibst, machst du nicht weiter?

Selma Lagerlöf hat auch den schönen Satz gesagt :  schenken heißt, einem anderen das geben,
                                                                       was man selber behalten möchte.
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Spirit
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« Antworten #2 am: 05. Februar 2009, 21:12:06 »

Uuuups  Rotwerden auf diesen Thread hatte ich vollkommen vergessen *alzilässtgrüßen*

Das Zitat von Lagerlöf gefällt mir ausgesprochen gut!  Ja

ok, schau mer mal, was die Tante Wiki heute anzubieten hat - naja, ein Artikel über eine Pharmabranche...nun bin ich bei der Tante Wiki auf die Seite der lesenswerten Artikel gegangen und hab mir stattdessen einen für heute ausgesucht.  Cheesy

Und weil ich ja ein erklärter Saunafan bin, nehm ich einen total interessanten Artikel aus der Wiki über die Badekultur im Wandel der Zeit.

Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Badekultur

Baden - das wurde geliebt und gehasst, mal gefördert, mal verteufelt.

Der Artikel ist zwar endlos lang, aber es zahlt sich aus, ihn durchzulesen, ist wirklich lesenswert.

Ich zitiere ein wenig daraus:

Zitat
Die reichen Patrizier kamen mit ihren Sklaven ins Bad. Einer hatte die Garderobe zu bewachen, ein anderer trug die diversen Utensilien, ein dritter schabte ihm mit dem Schabeisen (strigilis) Schweiß und Schmutz von der Haut. Weniger Wohlhabende mussten das selbst erledigen.

Zitat
    „Aber du siehst nichts Schmutzigeres als sie! Sie reinigen und waschen sich nur ein- oder zweimal im Jahr mit kaltem Wasser. Ihre Kleider aber waschen sie nicht, nachdem sie sie angezogen haben, bis daß sie in Lumpen zerfallen.“

    – (Zitat aus Otto Borst, Alltagsleben im Mittelalter, Frankfurt/M. 1983)

Zitat
In den christlichen Ländern gewann dagegen die Lehrrichtung der Askese zunehmend an Bedeutung, die das Baden als Verweichlichung und Luxus ablehnte. Das Nicht-Baden wurde in den Rang einer Tugend erhoben, die als ebenso bedeutungsvoll galt wie das Fasten. Der einflussreiche Kirchenlehrer Augustinus erklärte, ein Bad pro Monat sei gerade noch mit dem christlichen Glauben zu vereinbaren. Mönche sollten am besten überhaupt nur vor Ostern und Weihnachten in die Wanne steigen.

Zitat
Der Besuch im Badehaus galt für Wohlhabende als Vergnügen, es wurde im Wasser gegessen und getrunken, nicht selten auch angebandelt. Der Beruf des Baders galt nicht ganz umsonst als unehrenhaft, wurde er doch nicht nur als Barbier und Chirurg tätig, sondern gegen Bezahlung auch als Kuppler und Heiratsvermittler. In den Badestuben gab es oft auch Betten zum Ruhen nach dem Bad. Sie gerieten in den Ruf, heimliche Bordelle zu sein, einige waren es auch. Die Kirche kritisierte lange Zeit vergebens diese Sitten. Priestern wurde es grundsätzlich verboten, eine öffentliche Badestube aufzusuchen.[5]

Zitat
Dann wurde die Syphilis von spanischen Söldnern aus Südamerika nach Europa eingeschleppt. Diese damals unheilbare Geschlechtskrankheit brachte im 15. und 16. Jahrhundert das Ende der meisten öffentlichen Badehäuser; sie wurden wegen der großen Ansteckungsgefahr geschlossen. Auch der Dreißigjährige Krieg trug zum Niedergang der Badestuben bei. Gleichzeitig geriet das Baden überhaupt in Verruf, es sei schädlich und überflüssig, so die Ansicht vieler Ärzte. Das hing mit der damaligen Auffassung zusammen, dass das Wasser beim Bad durch die Poren der Haut in den Körper eindringen und sich dort mit den „Körpersäften“ vermischen würde, was wiederum zu Krankheiten führen würde.

Zitat
Zum Ende des 16. Jahrhunderts veränderte sich die Badekultur in Mitteleuropa. Man badete nur noch selten aus hygienischen Gründen, besonders das gemeinsame Baden in Becken oder Wannen wurde aus medizinischen Gründen unterlassen. Die Körperpflege beschränkte sich vornehmlich auf Gesicht, Hände und Füße. Häufig wurde nur noch als Teil einer ärztlichen Kur gebadet. Stattdessen führten der Adel und die Patrizier die Unterwäsche ein, die den Schweiß (und den Schmutz) aufnahm und häufig gewechselt wurde. Der französische Arzt Louis Savot schrieb 1624: „Wir können eher auf das Baden verzichten als unsere Vorfahren, weil wir Leibwäsche verwenden, die uns hilft, den Körper auf bequemere Art sauberzuhalten, als es die Bäder und Dampfbäder der Vorfahren vermochten (…).“[14]

An die Stelle des Badens trat im 17. Jahrhundert also vermehrt die „Toilette“, d. h. pudern, parfümieren und schminken, bei Frauen wie Männern. Bei der Körperpflege spielten Badezimmer nur eine Nebenrolle, während der Toilettentisch zum zentralen Accessoire der täglichen Hygiene wurde.

Liebe Grüße
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