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Autor Thema: Fremdwörter  (Gelesen 944 mal)
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Yda
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« am: 28. Februar 2008, 16:12:47 »

Ihr Lieben,
ich möchte hier einen Faden beginnen, in dem ich mich mit Euch über Fremdwörter austauschen möchte.

Manch einer mag es für Schlaumeierei halten, mir sind Fremdwörter ganz liebe "Kinder",
da sie mich bereichern und meinem Faible für Fremdsprachen entspringen. Oft ist es ja auch so, dass ein Fremdwort einen größeren Inhalt hat, so dass weniger gesagt werden muss. Setzt allerdings voraus, dass Gesprächspartner in etwa auf dem gleichen Wissensstand sind. Da dem nicht immer so ist, gibt es ja immer mal wieder Erklärbedarf.

So fange ich hier mal an mit dem Wort

Polemik,

was mir im Internet in Foren immer mal wieder begegnet.

Laut Duden bedeutet es:
die, (publizistischer) Meinungsstreit; literarische Fehde.

Wusstet Ihr das?
Ich nicht.
Ich selbst habe das Wort noch nicht benutzt, entdecke es aber immer wieder in Forendiskussionen, die in die Endlosschleife geraten, wo Menschen aneinander geraten und es nicht schaffen, sich zu einigen oder aufeinander so einzugehen, dass ein Thema friedlich zum Ende gebracht werden kann, selbst wenn klar ist, dass sich beider Meinungen nicht vereinen lassen.
Da passiert es dann, dass einer dem anderen Polemik vorwirft.
Bislang verstand ich das daher so, dass Polemik ausdrückt, dass jemand keine GREIFBAREN Beispiele bringt und sozusagen substanzlos labert.

Wäre nett, wenn Ihr mal dazu was schreibt. Fände ich spannend. Kann ja sein, dass ich völlig falsch liege!
Oder dass euer neuerer Duden was ganz anderes dazu sagt.

LG, Yda

« Letzte Änderung: 28. Februar 2008, 16:14:31 von Yda » Gespeichert

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« Antworten #1 am: 28. Februar 2008, 16:20:04 »

gute Idee Yda

in Meyers taschenlexikon habe ich  folgendes gefunden

Polemik
(griech.-franz.)
als Form der Kritik die Kunst des Streitens; unsachlich, der blossen Diffamierung dienender Angriff


LG
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« Antworten #2 am: 28. Februar 2008, 16:22:36 »

gute Idee Yda

in Meyers taschenlexikon habe ich  folgendes gefunden

Polemik
(griech.-franz.)
als Form der Kritik die Kunst des Streitens; unsachlich, der blossen Diffamierung dienender Angriff


LG
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Wie schön, siehst du, da haben wir es schon - es gibt noch mehr Übersetzungen dafür!
Das Fettgedruckte erklärt mir nun, dass ich das richtige im Bauchgefühl hatte, es nur nicht ausdrücken konnte.
DANKE!!!

LG, Yda
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« Antworten #3 am: 28. Februar 2008, 16:24:22 »

gern geschehen meine liebe  Umarmung1
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« Antworten #4 am: 28. Februar 2008, 17:05:44 »

Liebe Yda!

Da das Wort auch in meinen Postings oft vorkommt  Heilig hab ich mir meine Bibel hervorgekramt, mein Etymologisches Wörterbuch, ich zitiere jetzt daraus:

Zitat
Polemik:

Die Bezeichnung für "intellektuelle Auseinandersetzung um literarische, wissenschaftliche u.A. Fragen, scharfer Angriff ohne sachliche Argumente" wurde Anfang des 18. Jahrhunderts aus gleichbedeutendem französichen polemique entlehnt. Dies ist die Substantivierung des französischen Adjektivs polemique, das ursprünglich "kriegerisch, streitbar" bedeutet. Es geht auf griechisch polemikos - "den Krieg betreffend, kriegerisch" zurück.

Ich verwende den Begriff dann, wenn ich damit eine Argumentationsweise beschreiben möchte, die keinen Inhalt hat, sondern nur Schlagworte benutzt. Vor allem Verallgemeinerungen, wie z.B. "DIE" Frauen sind so oder so... z.B. mit dem Ziel, eine bestimmte Gruppe zu schubladisieren, ohne auf den einzelnen Menschen Rücksicht zu nehmen.

Das ist für mich Polemik.

Ich hab mal ein interessantes Buch gelesen (passt vom Titel her in diesen Thread *grins*), es hieß "Dialektische Rabulistik" - da gings um die Gesprächsführung, die fiese Gesprächsführung. Polemik war hier ein weit verbreitetes Mittel, um eine Diskussion zu "gewinnen", obwohl man die schlechteren Argumente hatte. Also etwas stategisch anwendbares, macht den Gesprächspartner zum Feind und konstruktiver Austausch ist unterbunden.

Liebe Grüße
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« Antworten #5 am: 28. Februar 2008, 19:16:30 »

Zitat
Liebe Yda!

Da das Wort auch in meinen Postings oft vorkommt   hab ich mir meine Bibel hervorgekramt, mein Etymologisches Wörterbuch, ich zitiere jetzt daraus:


Zitat
Polemik:

Die Bezeichnung für "intellektuelle Auseinandersetzung um literarische, wissenschaftliche u.A. Fragen, scharfer Angriff ohne sachliche Argumente" wurde Anfang des 18. Jahrhunderts aus gleichbedeutendem französichen polemique entlehnt. Dies ist die Substantivierung des französischen Adjektivs polemique, das ursprünglich "kriegerisch, streitbar" bedeutet. Es geht auf griechisch polemikos - "den Krieg betreffend, kriegerisch" zurück.

Ich verwende den Begriff dann, wenn ich damit eine Argumentationsweise beschreiben möchte, die keinen Inhalt hat, sondern nur Schlagworte benutzt. Vor allem Verallgemeinerungen, wie z.B. "DIE" Frauen sind so oder so... z.B. mit dem Ziel, eine bestimmte Gruppe zu schubladisieren, ohne auf den einzelnen Menschen Rücksicht zu nehmen.

Das ist für mich Polemik.

Ich hab mal ein interessantes Buch gelesen (passt vom Titel her in diesen Thread *grins*), es hieß "Dialektische Rabulistik" - da gings um die Gesprächsführung, die fiese Gesprächsführung. Polemik war hier ein weit verbreitetes Mittel, um eine Diskussion zu "gewinnen", obwohl man die schlechteren Argumente hatte. Also etwas stategisch anwendbares, macht den Gesprächspartner zum Feind und konstruktiver Austausch ist unterbunden.

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« Antworten #6 am: 28. Februar 2008, 21:40:07 »

Gute Idee dieser Thread!

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« Antworten #7 am: 28. Februar 2008, 21:57:10 »

Danke, liebe Spirit, nun hab ich es richtig verinnerlicht.

polemikos.
Klingt so nett und hat so eine Bedeutung...  Streit Ist ja ein Ding.

Freut mich, dass auch Gondwana den Faden begrüßt.  Winken

LG, Yda
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« Antworten #8 am: 29. Februar 2008, 08:36:49 »

Ich möchte da gleich weitermachen - gibt ja immer wieder Fremdwörter, auf die man stößt und man mal googeln muss, weil man sie noch nie gehört hat.....

Mir gings so bei dem Wort "Segregation" - das ist quasi das Gegenteil von Integration. Ist eigentlich sehr zeitgemäß, das Wort, denn überall gibt es Strömungen zur "Segregation" (bei uns kam der Vorschlag, Matura auch auf türkisch einzuführen - ist kein Witz!), also möglichst die trennenden Element zu fördern statt die verbindenden.

Wird also sicher ein Wort der Zukunft.... Traurig1

Liebe Grüße
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« Antworten #9 am: 29. Februar 2008, 09:35:33 »

Liebe Spirit,
vielen Dank für das neue Wort!

Mein 1975er Duden ist wirklich kein guter Ratgeber mehr.  Grin

Segregation
lat. Ausscheidung

Matura auf türkisch in Österreich... Da fehlen mir auch die Worte!
Wenn es sich jetzt um eine Schule für Kinder von Botschaftsangehörigen in Ö handelte, wäre das noch verständlich, aber so...? Käme ein muslimisches Land auf die Idee, Abiturprüfungen in Sprachen anderer Staaten anzubieten?
Wie machen die Türken das, dass sie es schaffen, so durchdringend zu wirken? Mir kommt das wie schleichende Unterwanderung vor, wenn ich das mal so offen sagen darf.

Nachdenkliche und bestürzte Grüße von Yda
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« Antworten #10 am: 29. Februar 2008, 09:56:20 »

Liebe Yda!

Ich hab noch vergessen, den Link reinzustellen, was die gscheite Tante Wiki dazu sagt:

http://de.wikipedia.org/wiki/Segregation

Zitat
Segregation bezeichnet den Vorgang der Entmischung von unterschiedlichen Elementen in einem Beobachtungsgebiet. Lässt sich die Tendenz zu einer Polarisierung und räumlichen Aufteilung der Elemente gemäß bestimmter Eigenschaften beobachten, so spricht man von Segregation. Das Beobachtungsgebiet ist entlang bestimmter Merkmale segregiert, wenn eine bestimmte Gruppe oder ein spezifisches Element in Teilen des Beobachtungsgebietes konzentriert auftritt, in anderen dagegen unterrepräsentiert ist. Der Begriff wird sowohl in der Werkstoffkunde als auch in der Soziologie, sowie bei Waldmessmodellen angewendet. In der chem. Verfahrenstechnik findet er im vollständig segregierten kontinuierlichen Rührkessel (SCTR) Anwendung.

 Häufiges Beispiel bzw. Beobachtungsfeld in soziologischen, geographischen oder wirtschaftlichen Untersuchungen sind Segregationsprozesse innerhalb der Städte. Hier treten diese Prozesse deutlich zutage, da in der Stadt bezüglich bestimmter Merkmale (z. B. Einkommen, Ethnizität, Religion) sehr unterschiedliche Bevölkerungsgruppen zusammenleben. Auffällig ist nun, dass sich der städtische Raum entlang dieser Merkmale segregiert.

Die Erscheinung der Segregation in den Städten ist bereits sehr früh zu beobachten. Bereits in den mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Städten Europas (vergleiche Stadtentwicklung) gab es die räumliche Trennung beispielsweise der Kaufleute und der Handwerker in jeweils eigenen Teilen der Stadt. Neben dieser Segregation entlang des Merkmals Beruf findet sich auch eine Segregation nach ethnischen und religiösen Merkmalen, so beim jüdischen Ghetto oder den noch kleinteiliger nach Religions- und Volksgruppenzugehörigkeit getrennten Vierteln der klassischen orientalischen Stadt. Zur muslimischen Segregation siehe Al-wala' wa-l-bara'

Auch heute beobachten Soziologen und Stadtplaner weiterhin Segregationseffekte. In Nordamerikanischen Städten ist dies augenscheinlich in den Vierteln, die nahezu ausschließlich von einer bestimmten Einwanderergruppe bewohnt werden (China Town, Greek Town, der Stadtteil Harlem in New York). Aber auch in europäischen Städten finden sich mitunter einzelne Stadtteile mit hohen Anteilen eingewanderter (ehemaliger) Gastarbeiter aus dem Mittelmeerraum oder auch mit hochqualifizierten ausländischen Fachkräften (z. B. Japaner in Düsseldorf und z. B. Chinesen in Frankfurt am Main). Verstärkt ist auch eine Segregation bezüglich Bildungs- und Einkommensniveau zu beobachten. Das Ausmaß der Segregation dient somit als ein Indiz für eine Polarisierung der Gesellschaft und kann bei zu deutlicher Trennung der einzelnen Merkmalsgruppen die Gefahr der Herausbildung von konfliktreichen Teilgesellschaften anzeigen.


Die Interpretation mit der Ausscheidung ist interessant, denn es müsste vom lateinischen "segregare" kommen, das bedeutet trennen, abteilen, aber auch "absondern" und als absondern bezeichnen wir auch ausscheiden....daher wahrscheinlich diese Brücke zu dem Wort.

Der Brückenschlag vom "absondern" zum "ausscheiden" erinnert mich an das Beispiel, bei dem unsere ganze Familie gelacht hat, weil ich es "falsch" gesagt hatte: Nicht wirklich falsch, sondern ähnlich.

Fast und knapp ist doch ein ähnliches Wort, oder? Fast zwanzig und knapp zwanzig wäre in etwas gleich, oder fast voll und knapp voll..

Aber ich sagte das Sprichwort: "Knapp vorbei ist auch daneben!"

leider mit "fast":

"Fast vorbei ist auch daneben!"

und alle brüllten. Denn das wäre eigentlich das Gegenteil.... Roll Eyes

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« Antworten #11 am: 29. Februar 2008, 10:03:26 »

Ich bin beeindruckt! Danke schön für diesen Lernstoff!

Noch kurz zu "fast" - das sehe ich als "beinahe" an.
Knapp ist bei mir im Sinne von "nicht ganz" bzw. "zu wenig" (z.B. nicht ganz passend; Hochwasserhosen sind zu knapp.  Smiley )

Aber es kommt immer auf den Sprachgebrauch im jeweiligen Sprachraum an.
Jaa, das finde ich alles seeehr interessant. Vor allem die möglichen Missverständnisse sogar unter Muttersprachlern.  Grin
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« Antworten #12 am: 29. Februar 2008, 12:16:47 »

Nochmal zum Wort

POLEMIK:
(Vielen Dank, liebe Yda, wie passend gerade  doof).

In meinem Wörterbuch steht dazu:

1. wissenschaftliche Auseinandersetzung
2. unsachlicher, argumentativer Angriff.

Ich bin der Meinung, das Zweite bezeichnet es GANZ GENAU.  Evil

Gruß
YC


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« Antworten #13 am: 29. Februar 2008, 13:01:45 »

Guter thread, merci Yda!

Zum Thema Polemik und Eristik gibt es hier im Forum schon einen Thread, der eine Art Anleitung von Schopenhauer enthält, wie man einen Diskussionspartner trotz eigener schlechterer Karten bezwingen kann, wenn man sich das verinnerlicht, ist man relativ gut gewappnet  Evil:
    
Diskussion mit Schopenhauers "Kunstgriffen"? Part 1

LG Admin

Nachtrag: Habe festgestellt, dass die Beiträge dort nicht vollständig waren, sorry.... hab sie ergänzt!  Smiley
« Letzte Änderung: 29. Februar 2008, 13:21:22 von Administrator » Gespeichert

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« Antworten #14 am: 29. Februar 2008, 13:52:57 »

Aber ich sagte das Sprichwort: "Knapp vorbei ist auch daneben!"

leider mit "fast":

"Fast vorbei ist auch daneben!"

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 lach

Genau, so hätte ich es auch verstanden:

Knapp vorbei = daneben

Fast vorbei = getroffen (als eben NICHT daneben ...)

---

Das Wort Segregation lese ich heute zum ersten Mal!  Rotwerden
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